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Eine schwarz-weiße Foto-Collage von Friedrich Merz. Er sitzt an einem Tisch und schreibt mit einem Stift aufs Papier. Aus seinem Kopf kommen schwarz-weiße Blasen.
Kommentar

7 Führungs-Tipps für Friedrich Merz

Der Kanzler erntet nicht zum ersten Mal heftige Kritik für seinen Führungsstil – diesmal kommt sie sogar aus den eigenen Reihen. Mit guter Führung kennen wir uns bei Neue Narrative aus, daher kommen hier ein paar Vorschläge, wie es in Zukunft besser klappen könnte.

„Sie leiten hier keine Firma, sondern eine Partei" – mit diesem Satz brachte der Bremer CDU-Landeschef Heiko Strohmann diese Woche auf den Punkt, was in der Union gerade viele denken. Bundeskanzler Friedrich Merz hat die CDU mit seiner Kabinettsumbildung ins Chaos gestürzt und eine gesamte Nation kopfschüttelnd zurückgelassen. Längst spricht keiner mehr über Jens Spahn, der mithilfe einer Leihmutter in den USA Vater wurde (obwohl er selbst die Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland stets abgelehnt hat) und über diesen Glaubwürdigkeitsverlust sein Amt als Unionsfraktionschef verlor.

Es ist die Personalrochade, die darauf folgte, die nun weitaus höhere Wellen schlägt: Der designierte Nachfolger für das Verkehrsministerium sagt erst zu, dann wieder ab und der amtierende Minister Patrick Schnieder bittet schließlich lieber selbst um seine Entlassung, als auf die Kündigung von Merz zu warten, um einen „unwürdigen Zustand“ zu beenden. In der CDU sorgte besonders diese Personalie für großen Unmut: Die CDU-Arbeitnehmerschaft sprach von „Willkür", eine Bundesregierung sollte schließlich nicht „wie ein Feudalkönigreich“ geführt werden. Der frühere Bundesminister Peter Altmaier zeigte sich auf der Plattform X „betroffen“ und „wütend“ und CDU-Urgestein Wolfgang Bosbach im Handelsblatt „sehr nachdenklich“.

Nun sollte man auch ein Unternehmen weder mit Willkür noch wie ein Königreich führen, im Gegenteil. Und, wie ein Kommentar der FAZ zu Recht anmerkt, der Vergleich mit der Wirtschaft ist hier unfair, und zwar gegenüber der Wirtschaft. Denn: Kein Vorstand, kein Aufsichtsrat würde es einer Führungskraft so lange erlauben, Fehler an Fehler zu reihen, ohne Konsequenzen daraus zu ziehen.

Hätte Merz echte Führungserfahrung in der Privatwirtschaft, wüsste er das. Doch obwohl er dort viel Geld verdient hat – als Lobbyist, Berater, Aufsichtsrat – musste er nie komplexe Führungsaufgaben in einem Team umsetzen. Auch in der Politik hatte er bis zu seiner Wahl zum Kanzler nie exekutive Verantwortung. Aber das ist gar nicht das eigentliche Problem. Nicht jede*r ist der*die geborene Führer*in, und gute Führung ist nun mal ein anspruchsvolles Handwerk, das gelernt sein will. Es sind Merz’ Umgang mit Kritik und seine Beratungsresistenz, die der wichtigsten Führungskraft des Landes unwürdig sind.

Im ZDF-Sommerinterview reagierte Merz beispielsweise auf den Vorwurf, er trete oft sehr ruppig auf, gereizt: „Diese ewige Nörgelei, diese ewige Nölerei, dieses Schlechtreden, dieses Kaputtreden unseres Landes – ich darf mir das bei solchen Gelegenheiten auch mal erlauben – ich bin es einfach leid.“ Auf einem CDU-Parteitag in Nordrhein-Westfalen rief er seinen parteiinternen Kritikern zuvor schon zu: „Nöler, Nörgler, empörte Berufskritiker – wegtreten!“ Verantwortungsübernahme und Kritikfähigkeit, zwei zentrale Führungsqualitäten, sehen anders aus.

Dabei gäbe es so viele Menschen, die Merz sagen könnten, wie gute, zeitgemäße Führung aussieht. Wir schreiben seit zehn Jahren darüber und haben sieben Impulse gesammelt, die aus unserem Kanzler einen besseren Leader machen könnten.

1. Gute Führung braucht eine Vision

Jede gute Führungskraft schafft es, die Menschen, die für sie und mit ihr arbeiten sollen, mit einer großen Vision zu begeistern. Im Falle eines Kanzlers wäre das eine Vision für Land und Gesellschaft, die motivierend ist und für die sich viele Menschen begeistern können. Diese Vision sollte Lösungen für die großen Probleme unserer Zeit aufzeigen: Wie sieht unser Verständnis von Wohlstand aus? Wie schaffen wir es, unsere Wirtschaft endlich ins 21. Jahrhundert zu transformieren? Wie können wir unser Bildungs-, Gesundheits-, und Mobilitätssystem zukunftsfähig gestalten? Eine gute Führungskraft sollte zuallererst Antworten auf die wirklich entscheidenden Fragen liefern und Menschen auch bei schwierigen Entscheidungen hinter einer gemeinsamen Vision versammeln.

Was hier hilft

Ein Visions-Seminar mit einem*r guten Berater*in an einem abgelegenen, inspirierenden Ort, zum Beispiel auf der Zugspitze oder am Strand von Helgoland. Oder unsere 9-Spaces-Tools „Visions-Zeitstrahl“ und „Schlagzeilen aus der Zukunft“.

2. Gute Führung hat das Ego im Griff

Es gibt nichts Peinlicheres, als wenn Menschen, die viel Macht besitzen, alles persönlich nehmen und sofort beleidigt sind. Es ist okay, als Führungskraft ein großes Ego zu haben, aber man sollte es so weit im Griff haben, dass man klar zwischen den eigenen Emotionen und der Sache trennen kann. Wenn diese Grenze verschwimmt, werden Führungskräfte wie bockige Kinder wahrgenommen, und wer lässt sich schon gerne von einem bockigen Kind führen? Statt sachliche Kritik – etwa an der eigenen Kommunikation – als persönliche Kränkung zu behandeln, sollten gute Führungskräfte sie als Frühwarnsystem nutzen. Merz’ Auftreten im Sommerinterview verkennt genau das: Wiederkehrende Kritik sogar aus den eigenen Reihen ist selten bloße Stimmungsmache, sondern oft ein Symptom für ein strukturelles Problem im Führungsstil. Wirklich starke Führung basiert daher immer auf einer ausgeprägten emotionalen Intelligenz, einem hohen Maß an Selbstreflexion und einem Ego, das nicht einfach machen kann, was es will.

Was hier hilft

Coaches, Meditationsretreats, alle Arten von Persönlichkeitsentwicklung, innerer Arbeit und Achtsamkeitspraktiken, zum Beispiel mit unseren 9-Spaces-Tools „Bodyscan“ und „Meeting mit dir selbst“.

3. Gute Führung teilt Erfolge und übernimmt Verantwortung für Misserfolge

Noch peinlicher als eine Führungskraft, die alles persönlich nimmt, sind Führungskräfte, die alle Erfolge für sich verbuchen und bei Fehlern immer die Schuld woanders sehen. Starke Führung bedeutet: Ich übernehme klar die Verantwortung dafür, wenn etwas nicht gut läuft und gebe im Falle von Erfolgen anderen den Credit. So motiviert man ein Team, macht es nicht zu sehr von einer vermeintlich unersetzbaren Führungsfigur abhängig und zeigt, dass es um die Sache geht und nicht um persönliche Profilierung.

Was hier hilft

Ein Persönlichkeitscoaching, besonders mit Fokus auf Verletzlichkeit, Übungen zur Stärkung des Selbstwerts, eine tägliche Dankbarkeits-Routine oder eine Routine im Team, die darauf abzielt, Fehler und Schwächen einzugestehen und anderen zu applaudieren. Passend dazu könnt ihr, dank des neuen NN-Glücksrads, noch bis zum 12. August den „CV of Failures“ downloaden. Ein Tool, das euch dabei hilft, euch im Team verletzlich zu zeigen und miteinander zu verbinden.

4. Gute Führung ist verlässlich

Es gibt für Menschen, die geführt werden, nichts schlimmeres als erratisches Verhalten: Wer gelernt hat, dass eine Ansage von gestern heute schon nicht mehr zählt, hat wenig Motivation, sich für die Sache reinzuhängen. Viele Konzerne sind voll von Menschen, die genau deshalb innerlich gekündigt haben und nur Dienst nach Vorschrift machen: weil sie von Managern verschlissen wurden, die alle paar Wochen große Ansagen machen, die dann aber nach kurzer Zeit wieder vergessen sind und durch einen schwer nachvollziehbaren Kurswechsel ersetzt werden. Wer möchte, dass Menschen auch dann motiviert an die Arbeit gehen, wenn man selbst nicht im Raum ist, sollte unbedingt für Verlässlichkeit und Stringenz sorgen. Dazu gehört, sich feste Prozesse und Regeln zu geben, die für alle, auch die Führungskraft gelten. Und diese muss sich immer an ihrem eigenen Wort von gestern messen lassen.

Was hier hilft

Gute Tools für Zusammenarbeit, in denen klar dokumentiert wird, was warum entschieden wurde und was gerade gilt. Wenn „der Plan“ und alle Absprachen nur im Kopf der Führungskraft existieren, lädt das geradezu erratisches Verhalten ein. Daher unbedingt alles dokumentieren und Menschen die Verantwortung geben, für Transparenz und Klarheit im Prozess zu sorgen – zum Beispiel mit spannungsbasiertem Arbeiten (auch dazu gibt es ein 9-Spaces-Tool). Wie man einen neuen Prozess strukturiert und übersichtlich aufsetzt, erklärt unser 9-Spaces-Tool „Der Prozess-Baukasten“.

5. Gute Führung kommuniziert empathisch und vorausschauend

Gute Führung beginnt damit, die eigene Wirkung auf andere ernst zu nehmen. Wer Kritiker pauschal als „Nörgler" abtut oder ganze Bevölkerungsgruppen mit Formulierungen wie „Stadtbild" oder „kleine Paschas“ vor den Kopf stößt, verspielt genau das Vertrauen, das er in Krisenzeiten braucht. Empathische Führung heißt nicht, jedem Recht zu geben – sondern zuzuhören, bevor man urteilt. Und in der Kommunikation die anderen mitzudenken. Die Entlassung von Verkehrsminister Schnieder wirkte nicht wie eine geplante Personalentscheidung, sondern wie eine Kurzschlussreaktion mitten in einer ohnehin fragilen Kabinettsumbildung – inklusive eines Nachfolgers, der im letzten Moment einen Rückzieher machte. Gute Führungskräfte treffen wichtige Entscheidungen nicht unter Zeit- und öffentlichem Druck gleichzeitig. Ein Tag Verzögerung kostet weniger als ein sichtbar missglückter Rauswurf. Und jede Entscheidung ist letztlich nur so gut, wie sie kommuniziert wird. Wer hieran spart, wird damit zwangsläufig auf der Nase landen.

Was hier hilft

Kommunikationstrainings, insbesondere in bedürfnisorientierter Kommunikation (zum Beispiel GfK) sowie strategische Kommunikationsberater, die sich Gedanken dazu machen, wie sich schwierige Entscheidungen trotzdem gut kommunizieren lassen.

6. Gute Führung ist dezentral

Der Vorwurf, Merz führe das Land wie eine Firma, in der er „schalten und walten" kann, trifft einen wunden Punkt: Wirksame Führung entsteht durch Delegation und echte Mitsprache, nicht durch zentrale Entscheidungen im engsten Zirkel. Wenn wichtige Personalfragen offenbar ohne breite Abstimmung in der Partei entschieden werden, wundert es nicht, dass selbst treue Landespolitiker öffentlich die Geduld verlieren. Auch hier gilt, dass diese Art von Führung auch in einem Unternehmen keinesfalls zeitgemäß oder effektiv wäre. Wer effektiv führen will, muss Entscheidungen an Expert*\innen abgeben können und darf nicht alle Macht auf sich und einen engen Kreis von Vertrauten konzentrieren.

Was hier hilft

Eine Lektüre zu rollenbasiertem Arbeiten, geteilter Führung, Konsent-Entscheid, Selbstwirksamkeit und anderen Arten zeitgemäßer Organisationsentwicklung.

7. Gute Führung liefert

Ob Schuldenbremse, Rentenreform oder die verschobenen Reformpakete aus Herbst und Frühjahr – Merz musste sich wiederholt vorwerfen lassen, Ankündigungen nicht einzuhalten. Der Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke sprach bereits von einem „Ankündigungskanzler“. Führung lebt von Verlässlichkeit: Wer regelmäßig ankündigt und dann verschiebt, verliert die Autorität, die er eigentlich für unpopuläre Entscheidungen bräuchte. Das bedeutet erstens, klare Prioritäten zu setzen und diese dann auch wirklich voranzutreiben. Dementsprechend sollten andere Themen, die keine Priorität besitzen, auch nicht mit großen Versprechungen versehen werden. Hier ist diedie Erkenntnis goldwert, dass Priorität keinen Plural kennt Man sollte also immer lieber nur auf eine großes Ziel hinarbeiten, und nicht auf 20.

Was hier hilft

Am Dienstag nach der Fraktionssitzung der CDU sagte Merz, dass ein Schwerpunkt seiner Arbeit künftig auf einer guten Kommunikation zwischen Bundesregierung, Bundestagsfraktion und CDU liegen werde – eine Kommunikation, „die mehr erklärt, mehr vermittelt, sich auch mehr Zeit für diese Aufgabe nimmt“. Wenn er nun auch noch unsere Tipps für gute Führung beherzigt, kann es eigentlich nur besser werden.

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