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Caring Companies

Ich kann dich leider nicht verstehen!

  • Text: Laura Erler

Gerade in internationalen Teams gilt Sprache häufig als neutrale Arbeitsgrundlage. In Wirklichkeit entscheidet sie aber darüber, wer sich einbringen kann, wer gehört wird und wer Karriere macht.

Bevor ich bei Neue Narrative anfing, habe ich zehn Jahre in einem inter­nationalen Team mit Menschen mit 20 unter­schiedlichen Erst­sprachen gearbeitet. Dabei gab es gelegentlich folgendes Szenario: Im Meeting macht jemand einen Witz mit einer kulturellen Referenz, z.B. aus einer alten Werbung oder Kinderserie, alle lachen – bis auf eine Person, die die Anspielung nicht versteht. Oder eine Kollegin präsentiert fachlich brillante Inhalte, das Publikum kann ihr aber schlecht folgen, weil sie nicht in ihrer Erstsprache spricht. Bei Letzterem entsteht manchmal der Eindruck, eine Person sei weniger kompetent als andere. Dabei ist nur die sprachliche Ausgangslage anders.

Machtgefälle durch Sprache

Viele Unter­nehmen arbeiten heute mit einer gemeinsamen Verkehrs­sprache, oft Englisch. Das schafft zwar Ver­ständigung, aber nicht auto­matisch Chancen­gleichheit.

Menschen, die nicht in ihrer Erst­sprache arbeiten, müssen permanent zusätzliche mentale Arbeit leisten: Fach­begriffe erschließen, Formulierungen abwägen, kulturelle Anspielungen verstehen – all das, während sie ihre eigentliche Arbeit erledigen. Das kostet Zeit, Energie und Selbst­vertrauen.

Hinzu kommt ein oft unsichtbares Macht­gefälle: Wer die Arbeits­sprache perfekt beherrscht, wirkt häufig kompetenter, über­zeugender und führungs­stärker – selbst wenn die fachliche Leistung identisch ist. In Gehalts­gesprächen, Präsentationen oder Bewerbungs­prozessen kann das entscheidende Vorteile bringen.

Noch komplizierter wird es, wenn aus Sprach­unterschieden Sprach­hierarchien werden. Manche Akzente, wie zum Beispiel der französische, gelten als sympathisch, während andere, wie der indische, belächelt werden. Bestimmte Sprachen werden als wertvoll erachtet, manche sind negativ besetzt. An Schulen meint die Forderung „Hier wird Deutsch gesprochen!“ eher zwei­sprachige Kinder, die auf dem Schulhof Arabisch sprechen, als den britischen Austausch­schüler.

Diese Form der Diskriminierung wird als Linguizismus bezeichnet: die Abwertung von Menschen aufgrund ihrer Sprache, ihres Akzents oder ihrer sprachlichen Herkunft. Das zeigt sich oft in Bemerkungen wie: „Dein Akzent klingt irgendwie komisch” oder „Deinen Namen kann ich nicht aussprechen”.

Meist ist das nicht böse gemeint. Trotzdem vermittelt es Betroffenen: Du gehörst nicht ganz dazu.

Was Caring Companies tun können

  • Verständlichkeit vor Perfektion stellen: Inhalte wichtiger bewerten als rhetorische Brillanz oder perfekte Grammatik
  • Sprachen lernen unter­stützen: Sprachkurse, Tandems oder informelle Austausch­formate anbieten
  • Fachjargon reduzieren: Dokumentationen, Prozesse und wichtige Informationen möglichst klar formulieren
  • Nachfragen normalisieren: Eine Kultur schaffen, in der niemand Angst haben muss, eine Rede­wendung oder einen Begriff nicht zu verstehen
  • Für Linguizismus sensibilisieren: Führungs­kräfte und Teams für Vor­urteile gegenüber Akzenten, Sprach­varianten und Mehr­sprachigkeit schulen
  • Namen und Identitäten respektieren: Namen üben und korrekt aussprechen und Menschen nicht aufgrund ihres Aussehens oder Namens automatisch einer Sprache oder Herkunft zuordnen

Sprache ist nie nur ein Werkzeug. Sie ist auch Zugehörigkeit, Identität und Teilhabe. Nicht alle Menschen starten mit denselben sprachlichen Voraus­setzungen.

Schau dich doch diese Woche mal in deinem Umfeld um, wo Menschen Vor- oder Nachteile durch die dominant gesprochene Sprache haben.

Laura und das Team von Neue Narrative

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