Letzte Woche habe ich eine sehr persönliche Kolumne mit dem Namen „Doppelschicht“ gestartet. Darin geht es um die beiden Leben, die arbeitende Eltern führen: Das eine findet während der Arbeit statt, das andere zu Hause, zwischen Kindertränen, Dreckwäsche und Mental Load.
In der ersten Ausgabe der Kolumne geht es darum, dass Eltern – und meist sind es die Mütter – in mehreren Schichten arbeiten. Das ist erstmal ein Privileg, das Menschen ohne die Möglichkeit von Homeoffice oder flexiblen Arbeitszeiten nicht haben. Aber es ist natürlich auch sehr belastend und Ausdruck eines strukturellen Problems: Von Eltern wird oft erwartet, dass sie so arbeiten, als ob sie keine Kinder hätten. Als ob zu Hause nicht noch ein weiterer, sehr anspruchsvoller Job auf sie wartet.
Wir müssen auf Eltern aufpassen
In einer perfekten Welt wäre das anders: Dann wären 30 Stunden für Menschen mit Care-Verantwortung Vollzeit. Dann würden Mütter und Väter beide 80 Prozent arbeiten und das Geld würde trotzdem reichen. Aber soweit sind wir noch nicht. Ich habe für mich entschieden, dass ich nicht darauf warten kann.
Ich will Zeit mit meinen Kindern, ich will eine Arbeit, die mich erfüllt und in der ich meine Potentiale entfalten kann. Daher nutze ich die Möglichkeit, am Abend noch ein paar Stunden am Laptop zu sitzen. Ich könnte meine Rolle vermutlich nicht ausfüllen ohne auf Zeit mit meinen Kindern zu verzichten, wenn ich einen Teil meiner Aufgaben nicht auch nach 20 Uhr noch erledigen könnte.
In meiner Kolumne habe ich ein paar Tipps für Eltern aufgeschrieben, denen es auch so geht. Sie sind keine Lösung für das große Ganze, aber sie helfen mir, im Alltag ein bisschen besser auf mich aufzupassen.
Aber auch Organisationen müssen auf die Eltern in ihren Teams aufpassen. Caring Companies wissen, dass sie viel in einem Tag unterbringen müssen. Und sie helfen ihnen dabei, das möglich zu machen – nicht, um die Abendschicht zu normalisieren oder gar vorzuschreiben, aber um Eltern die Wahl zu geben, wie sie ihren (Arbeits-)Tag rund um ihre Familie gestalten wollen.
Was Caring Companies tun können
- Eine familienfreundliche Meeting-Kultur einführen: Meetings am Vormittag bündeln, Teilnahme an unkritischen Meetings freiwillig und kürzere Meetings zum Standard machen.
- Flexibles Arbeiten anbieten: Gleitzeit wenn möglich, keine starren Kernzeiten, Homeoffice wo es sinnvoll ist genehmigen, Führung auch in Teilzeit ermöglichen, zum Beispiel über Topsharing oder rollenbasiertes Arbeiten.
- Keine Erwartungen an ständige Erreichbarkeit: Auf dem Spielplatz telefonieren oder beim Vorlesen nebenbei noch eine E-Mail tippen verursacht großen Stress bei Eltern. Idealerweise sind berufliche und private Geräte getrennt und es muss außerhalb der Arbeitszeit nicht auf Mails oder Anrufe reagiert werden.
- Abendarbeit nicht belohnen: Wer um 23 Uhr Mails schreibt, sollte dafür nicht als besonders engagiert gelten. Sonst entsteht ein Wettbewerb, den Eltern nur verlieren oder mit Erschöpfung bezahlen können.
- Fairer Umgang mit Mehrarbeit: Wer fragmentiert arbeitet, macht öfter Überstunden. Diese sollten erfasst werden und den Mitarbeitenden in Form von Geld oder Freizeit auch tatsächlich ausgezahlt werden.
Ich bin gespannt auf dein Feedback zur Kolumne, denn ich führe sie nur weiter, wenn sie gut ankommt. Ich würde mich auch freuen zu hören, wie du den Alltag mit Kind und Karriere meisterst. Und falls du keine Kinder hast: Für welche Rolle in deinem Privatleben hättest du gerne mehr Zeit?
Jessi und das Team von Neue Narrative
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