Ich war eigentlich schon immer davon überzeugt, dass ich besser arbeite, wenn ich ausgeruht und glücklich 30 Stunden arbeite, als wenn ich müde und sozial verarmt 60 Stunden vor mich hin schufte. Trotzdem hat sich bei mir über die letzten Jahre etwas eingeschlichen, das ich selbst kaum bemerkt habe.
Weil mir meine Arbeit so viel Freude bereitet, habe ich immer mehr davon gemacht. Woche für Woche ein bisschen mehr, bis aus meiner eigenen Überzeugung ziemlich genau das Gegenteil geworden war.
Der Praxistest: 3 Jobs in 30 Stunden
Vor ein paar Monaten habe ich an dieser Stelle schon mal dafür argumentiert, dass es weniger auf die Gesamtstundenzahl, sondern mehr auf konzentrierte, fokussierte Arbeitszeit ankommt. Seit diesem Jahr habe ich genau das auf die Probe gestellt: Aufgrund von Care-Verantwortung habe ich meine Arbeit reduziert und arbeite jetzt insgesamt 30 Stunden pro Woche.
Das mag im ersten Moment nicht besonders ungewöhnlich klingen, allerdings findet in diesen 30 Stunden ziemlich viel statt: Einen Teil davon arbeite ich bei Neue Narrative, einen zusätzlichen Teil in einer anderen Organisation, und einen weiteren Teil macht unbezahlte aktivistische Arbeit aus. Das klingt vermutlich ziemlich verrückt, und ich hätte vor einem Jahr selbst nicht geglaubt, dass sich das ausgeht.
„Wenn es eine harte Stundengrenze gibt, bekommt das Priorisieren auf einmal eine ganz neue Qualität.“
Dass es trotzdem funktioniert, liegt daran, dass ich mich Anfang des Jahres zu einer sehr viel rigoroseren Priorisierung gezwungen habe. Dabei hilft mir auch ein Tool, das ich für unsere Workshop-Plattform 9 Spaces geschrieben habe: „Die Fokusroutine“.
Hier kannst du dir das Tool kostenlos freischalten, wenn du es selbst ausprobieren möchtest. Es ist keine komplizierte Methode, sondern eine knallharte, aber realistische Priorisierung, die verhindert, dass ungeplante Kleinigkeiten den Raum einnehmen, den eigentlich die wichtigen Dinge bekommen sollen.
Es basiert auf zwei einfachen Bausteinen: einer wöchentlichen Aufräum-Routine, in der ich die wichtigsten Projekte für die Woche festlege und daraus die wichtigsten nächsten Schritte ableite, und einer kurzen täglichen Routine, mit der ich jeden Tag starte, bevor ich überhaupt E-Mails oder Nachrichten öffne. Beide Routinen laufen als feste Checklisten.
Ich weiß, dass sich das nicht auf jeden Job und jede Lebenssituation übertragen lässt. Aber ich glaube, die Übung dahinter lohnt sich trotzdem für so ziemlich jede*n. Außer du gehörst zu den glücklichen Menschen, die nie das Gefühl haben, sie bräuchten mehr als 24 Stunden im Tag.
Eine fokussierte Woche wünschen
Sebastian und das Team von Neue Narrative
Eine Frage, die dich durch die Woche begleiten soll: Was würde sich an deiner Arbeit verändern, wenn dir nur noch 30 Stunden pro Woche zur Verfügung stünden?
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