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Caring Companies

Homeoffice, das ewige Streitthema

  • Text: Jessi von Blazekovic

Sitzt du gerade im Homeoffice? Oder im Büro? Ich schreibe diesen Newsletter an meinem Schreibtisch zuhause. Heute ist eine Aufführung im Kinder­garten unseres Sohnes und ich freue mich gerade sehr, dass ich es pünktlich schaffen werde, weil ich eben nicht erst noch vom Büro nachhause pendeln muss.

Für mich bedeutet die Möglich­keit, von Zuhause arbeiten zu können, einen wert­vollen Zeit­gewinn – für mich, meine Arbeit und meine Familie. Ich weiß aber auch: Es ist ein Privileg, das viele Menschen etwa in Pink Collar Jobs (dazu gehören zum Beispiel Kranken­pfleger:innen und Erzieher:innen) nicht haben.

Doch auch für Büro­angestellte dreht sich der Wind. Viele Unternehmen fordern wieder mehr Präsenz ein, manche haben das Homeoffice sogar komplett gestrichen. An der Debatte lässt sich der Paradigmen­wechsel besonders gut beobachten: Dem Lager der Befür­worter:innen steht eine immer lauter werdende Gruppe von Gegner:innen gegenüber. Doch dieses Schwarz-Weiß denken hilft am Ende niemandem. Denn Homeoffice ist nicht immer die beste Lösung. Manchmal ist es aber auch die Lösung überhaupt. Aktuelle Unter­suchungen zeigen sehr ein­drücklich, wie differenziert das Bild ist.

Drei Studien, drei Perspektiven

Wissenschaftler aus Groß­britannien wollen beispiels­weise heraus­gefunden haben, dass Homeoffice Berufs­anfänger:innen schadet. Unternehmen stellen in vielen Industrie­ländern schon länger weniger junge Menschen ein. Offenbar liegt das aber nicht unbedingt daran, dass künstliche Intelligenz Einstiegs­level-Jobs über­flüssig gemacht hat (was eine gute Nachricht ist!). Vielmehr bevorzugen Organisationen für Homeoffice-Jobs scheinbar Menschen mit Berufs­erfahrung, weil das Anlernen und Mentoring hier schwieriger ist.

Anders sieht es für die Gruppe der Eltern aus. Hier lässt eine Studie aus Deutschland vermuten, dass die Möglichkeit für Väter, von Zuhause zu arbeiten, einen positiven Effekt auf die Gleich­berechtigung hat. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie aus Groß­britannien und Deutschland, die als Voraus­setzung dafür aber eine progressive Einstellung der Väter feststellen.

Und dann ist da die Frage, warum Führungs­kräfte überhaupt ihre Mit­arbeitenden vermehrt zurück ins Büro holen. Eine amerikanische Studie kommt zu dem Schluss, dass besonders narzisstische Chef:innen mit dem Konzept hadern – weil sie darin eine Bedrohung für Macht und Status sehen.

Das sind nur drei Beispiele dafür, wie komplex das Thema Homeoffice ist. Natürlich ist es eine große Heraus­forderung für Unternehmen, auf alle Bedürfnisse gleicher­maßen einzugehen. Versuchen sollten sie es trotzdem, weil davon nicht nur die Angestellten, sondern auch das Geschäft profitiert.

Was Caring Companies tun können

  • Eine (differenzierte) Homeoffice-Regel entwickeln, statt Willkür walten zu lassen.
  • Nach Karriere- und Lebens­phase differen­zieren, nicht nach Bauch­gefühl. Berufs­anfänger:innen haben mitunter andere Bedürfnisse als Eltern oder lang­jährige Mit­arbeiter:innen.
  • Mitarbeitende regelmäßig und ernsthaft nach diesen Bedürfnissen befragen.
  • Homeoffice als Gleich­stellungs­instrument begreifen, von dem alle profitieren können.
  • Präsenz nicht mit Leistung gleich­stellen.
  • Ausgleich finden für Mit­arbeitende, für die Homeoffice keine Option ist.
  • Auch in einem Remote-Setting aktiv Austausch­formate für Beziehungs­pflege und Teamgefühl einführen. Wir bei NN haben zum Beispiel regelmäßige Community-Meetings, in denen wir uns gegen­seitig Wert­schätzung zeigen und mal nicht (nur) über die Arbeit sprechen.
  • Wenn du Führungs­kraft bist und dein Team lieber um dich hast: Stell dir die Frage, warum das so ist – und wie du deine Bedürfnisse als Chef:in vielleicht auch in einem Remote-Setting befriedigen kannst.

Gefallen dir solche Studien­zusammen­fassungen? Schreib mir gerne eine Mail, wenn du mehr davon lesen willst!

Und ich freue mich auch über Post von dir, wenn du jetzt wieder öfter ins Büro kommen musst. Wie ist das für dich und wie wird es begründet?

Jessi und das Team von Neue Narrative

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