Sitzt du gerade im Homeoffice? Oder im Büro? Ich schreibe diesen Newsletter an meinem Schreibtisch zuhause. Heute ist eine Aufführung im Kindergarten unseres Sohnes und ich freue mich gerade sehr, dass ich es pünktlich schaffen werde, weil ich eben nicht erst noch vom Büro nachhause pendeln muss.
Für mich bedeutet die Möglichkeit, von Zuhause arbeiten zu können, einen wertvollen Zeitgewinn – für mich, meine Arbeit und meine Familie. Ich weiß aber auch: Es ist ein Privileg, das viele Menschen etwa in Pink Collar Jobs (dazu gehören zum Beispiel Krankenpfleger:innen und Erzieher:innen) nicht haben.
Doch auch für Büroangestellte dreht sich der Wind. Viele Unternehmen fordern wieder mehr Präsenz ein, manche haben das Homeoffice sogar komplett gestrichen. An der Debatte lässt sich der Paradigmenwechsel besonders gut beobachten: Dem Lager der Befürworter:innen steht eine immer lauter werdende Gruppe von Gegner:innen gegenüber. Doch dieses Schwarz-Weiß denken hilft am Ende niemandem. Denn Homeoffice ist nicht immer die beste Lösung. Manchmal ist es aber auch die Lösung überhaupt. Aktuelle Untersuchungen zeigen sehr eindrücklich, wie differenziert das Bild ist.
Drei Studien, drei Perspektiven
Wissenschaftler aus Großbritannien wollen beispielsweise herausgefunden haben, dass Homeoffice Berufsanfänger:innen schadet. Unternehmen stellen in vielen Industrieländern schon länger weniger junge Menschen ein. Offenbar liegt das aber nicht unbedingt daran, dass künstliche Intelligenz Einstiegslevel-Jobs überflüssig gemacht hat (was eine gute Nachricht ist!). Vielmehr bevorzugen Organisationen für Homeoffice-Jobs scheinbar Menschen mit Berufserfahrung, weil das Anlernen und Mentoring hier schwieriger ist.
Anders sieht es für die Gruppe der Eltern aus. Hier lässt eine Studie aus Deutschland vermuten, dass die Möglichkeit für Väter, von Zuhause zu arbeiten, einen positiven Effekt auf die Gleichberechtigung hat. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie aus Großbritannien und Deutschland, die als Voraussetzung dafür aber eine progressive Einstellung der Väter feststellen.
Und dann ist da die Frage, warum Führungskräfte überhaupt ihre Mitarbeitenden vermehrt zurück ins Büro holen. Eine amerikanische Studie kommt zu dem Schluss, dass besonders narzisstische Chef:innen mit dem Konzept hadern – weil sie darin eine Bedrohung für Macht und Status sehen.
Das sind nur drei Beispiele dafür, wie komplex das Thema Homeoffice ist. Natürlich ist es eine große Herausforderung für Unternehmen, auf alle Bedürfnisse gleichermaßen einzugehen. Versuchen sollten sie es trotzdem, weil davon nicht nur die Angestellten, sondern auch das Geschäft profitiert.
Was Caring Companies tun können
- Eine (differenzierte) Homeoffice-Regel entwickeln, statt Willkür walten zu lassen.
- Nach Karriere- und Lebensphase differenzieren, nicht nach Bauchgefühl. Berufsanfänger:innen haben mitunter andere Bedürfnisse als Eltern oder langjährige Mitarbeiter:innen.
- Mitarbeitende regelmäßig und ernsthaft nach diesen Bedürfnissen befragen.
- Homeoffice als Gleichstellungsinstrument begreifen, von dem alle profitieren können.
- Präsenz nicht mit Leistung gleichstellen.
- Ausgleich finden für Mitarbeitende, für die Homeoffice keine Option ist.
- Auch in einem Remote-Setting aktiv Austauschformate für Beziehungspflege und Teamgefühl einführen. Wir bei NN haben zum Beispiel regelmäßige Community-Meetings, in denen wir uns gegenseitig Wertschätzung zeigen und mal nicht (nur) über die Arbeit sprechen.
- Wenn du Führungskraft bist und dein Team lieber um dich hast: Stell dir die Frage, warum das so ist – und wie du deine Bedürfnisse als Chef:in vielleicht auch in einem Remote-Setting befriedigen kannst.
Gefallen dir solche Studienzusammenfassungen? Schreib mir gerne eine Mail, wenn du mehr davon lesen willst!
Und ich freue mich auch über Post von dir, wenn du jetzt wieder öfter ins Büro kommen musst. Wie ist das für dich und wie wird es begründet?
Jessi und das Team von Neue Narrative
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