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Case Clinic

„So machen wir das bei der IG Metall auch“

  • Text: Paul Fenski

In den letzten drei Ausgaben ging es darum, wie die IG Metall KI ein­geführt hat. Offen blieb, wie die Mit­arbeiter*innen KI eigentlich ein­setzen. Darum geht es heute, in der letzten Ausgabe dieser Serie.

  • Organisation: IG Metall
  • Mitarbeiter*­innen­anzahl: 2.500 (2026)
  • Rechts­form: Gewerk­schaft
  • Hack: Künstliche Intelligenz

Das Problem

Von Ende Oktober 2025 bis Ende Februar 2026 testeten 150 Beschäftigte aus unter­schied­lichen Bereichen der IG Metall die erweiterte Copilot-Lizenz. Mit der Lizenz allein war aber noch nicht klar, wofür sie KI in ihrem Arbeits­alltag sinnvoll ein­setzen könnten. Dafür mussten sie Themen finden und gemeinsam daran arbeiten. Nur: Wie finden 150 Menschen, die sich alle zwei Wochen virtuell treffen, gemeinsame Themen?

Die Lösung

Während der Treffen gab die Moderation Impulse, klärte Fragen und stellte Anwendungs­fälle vor. Um die Leute zusammen­zubringen und sie zu motivieren, Themen zu suchen und diese gemeinsam in Projekt­gruppen zu erarbeiten, nutzte sie die Chatter­fall-Technik aus der Methoden­sammlung „Liberating Structures“:

  1. Zunächst stellt die Moderation eine Frage in den Chat, z.B.: „Welche Tätig­keit aus deinem Arbeits­alltag würdest du am liebsten delegieren?“
  2. Alle Teil­nehmer*innen haben eine Minute Zeit, um eine Antwort zu schreiben. Absenden dürfen sie sie aber erst, wenn die Minute abgelaufen ist.
  3. Auf ein Signal der Moderation hin antworten alle gleich­zeitig. Ein Wasser­fall an Antworten entsteht.
  4. Je nach Anzahl der Antworten gibt es ein paar Minuten, um sie durch­zugehen und per Emoji-Reaktion abzustimmen.
  5. Wer für dieselbe Antwort gestimmt hat, trifft sich im selben Break-out-Room.
  6. So entstehen Projekt­gruppen, die jeweils ein Thema eigen­ständig bearbeiten.

Eine Projekt­gruppe beschäftigte sich zum Beispiel mit Power Automate. Damit lassen sich ein­gehende E-Mails auto­matisch ver­arbeiten und Anhänge ablegen. Anastasija Banner aus der Geschäfts­stelle Bocholt entwickelte wiederum einen Empfangs­agenten. Wenn Mitglieder sich mit Themen an sie wenden, für die die IG Metall nicht zuständig ist, gibt ihr der Agent Anhalts­punkte, wer statt­dessen weiter­helfen könnte.

Die Pilot­gruppe war kein Quer­schnitt der Beleg­schaft. Über 100 der 150 Teil­nehmer*innen nutzten KI schon vorher mehrmals pro Woche. Wer den Ansatz über­nehmen will, sollte ebenfalls mit den Interessierten anfangen.

Die Erfahrungen aus der Pilot­phase fließen nun in eine neue Gesamt­betriebs­vereinbarung ein. Was den Prozess zur KI-Nutzung bei der IG Metall kenn­zeichnet, ist das stufen­weise, auf­einander auf­bauende Wechsel­spiel aus Nutzungs­erfahrung und Regel­gebung. So hat sich die IG Metall Schritt für Schritt an KI heran­getastet.

In den Münchner Betrieben, die Frijia betreut, haben viele Beschäftigte große Angst vor einem Personal­abbau durch KI. Mit Beteiligung und einer Pilot­phase lassen sich solche Ängste nehmen, sagt er. Zum Beweis verweist er in solchen Fällen auf seinen eigenen Arbeit­geber: „So machen wir das bei der IG Metall auch.“

Mit einem Wasser­fall an Grüßen
Paul und das Team von Neue Narrative

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