In den letzten drei Ausgaben ging es darum, wie die IG Metall KI eingeführt hat. Offen blieb, wie die Mitarbeiter*innen KI eigentlich einsetzen. Darum geht es heute, in der letzten Ausgabe dieser Serie.
- Organisation: IG Metall
- Mitarbeiter*innenanzahl: 2.500 (2026)
- Rechtsform: Gewerkschaft
- Hack: Künstliche Intelligenz
Das Problem
Von Ende Oktober 2025 bis Ende Februar 2026 testeten 150 Beschäftigte aus unterschiedlichen Bereichen der IG Metall die erweiterte Copilot-Lizenz. Mit der Lizenz allein war aber noch nicht klar, wofür sie KI in ihrem Arbeitsalltag sinnvoll einsetzen könnten. Dafür mussten sie Themen finden und gemeinsam daran arbeiten. Nur: Wie finden 150 Menschen, die sich alle zwei Wochen virtuell treffen, gemeinsame Themen?
Die Lösung
Während der Treffen gab die Moderation Impulse, klärte Fragen und stellte Anwendungsfälle vor. Um die Leute zusammenzubringen und sie zu motivieren, Themen zu suchen und diese gemeinsam in Projektgruppen zu erarbeiten, nutzte sie die Chatterfall-Technik aus der Methodensammlung „Liberating Structures“:
- Zunächst stellt die Moderation eine Frage in den Chat, z.B.: „Welche Tätigkeit aus deinem Arbeitsalltag würdest du am liebsten delegieren?“
- Alle Teilnehmer*innen haben eine Minute Zeit, um eine Antwort zu schreiben. Absenden dürfen sie sie aber erst, wenn die Minute abgelaufen ist.
- Auf ein Signal der Moderation hin antworten alle gleichzeitig. Ein Wasserfall an Antworten entsteht.
- Je nach Anzahl der Antworten gibt es ein paar Minuten, um sie durchzugehen und per Emoji-Reaktion abzustimmen.
- Wer für dieselbe Antwort gestimmt hat, trifft sich im selben Break-out-Room.
- So entstehen Projektgruppen, die jeweils ein Thema eigenständig bearbeiten.
Eine Projektgruppe beschäftigte sich zum Beispiel mit Power Automate. Damit lassen sich eingehende E-Mails automatisch verarbeiten und Anhänge ablegen. Anastasija Banner aus der Geschäftsstelle Bocholt entwickelte wiederum einen Empfangsagenten. Wenn Mitglieder sich mit Themen an sie wenden, für die die IG Metall nicht zuständig ist, gibt ihr der Agent Anhaltspunkte, wer stattdessen weiterhelfen könnte.
Die Pilotgruppe war kein Querschnitt der Belegschaft. Über 100 der 150 Teilnehmer*innen nutzten KI schon vorher mehrmals pro Woche. Wer den Ansatz übernehmen will, sollte ebenfalls mit den Interessierten anfangen.
Die Erfahrungen aus der Pilotphase fließen nun in eine neue Gesamtbetriebsvereinbarung ein. Was den Prozess zur KI-Nutzung bei der IG Metall kennzeichnet, ist das stufenweise, aufeinander aufbauende Wechselspiel aus Nutzungserfahrung und Regelgebung. So hat sich die IG Metall Schritt für Schritt an KI herangetastet.
In den Münchner Betrieben, die Frijia betreut, haben viele Beschäftigte große Angst vor einem Personalabbau durch KI. Mit Beteiligung und einer Pilotphase lassen sich solche Ängste nehmen, sagt er. Zum Beweis verweist er in solchen Fällen auf seinen eigenen Arbeitgeber: „So machen wir das bei der IG Metall auch.“
Mit einem Wasserfall an Grüßen
Paul und das Team von Neue Narrative
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