Es gibt gute Gründe, tradierte Führungsstrukturen in der Verwaltung beizubehalten – und schlechte. Vier Beispiele zeigen, wie die Gratwanderung modernen Führens in der öffentlichen Hand gelingen kann.

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Abo sichernKontrolle, starre Hierarchien, Regelorientierung – so funktioniert Führung in der öffentlichen Verwaltung in Deutschland seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Und was zunächst sehr starr klingt, ist tatsächlich eine echte Errungenschaft. Denn bis in die Neuzeit hinein waren die „Untertanen“ der Willkür und Launen ihres Grundherren ausgeliefert. Ein Bauer zum Beispiel hätte einen Teil seiner Ernte abgeben müssen, vielleicht ein Huhn oder Bier – je nach Belieben des Herren. Erst die Bürokratien führten zu mehr Rechtsstaatlichkeit, Gleichbehandlung und Berechenbarkeit.
Organigramme schließlich klärten die Zuständigkeiten und klare Prozessabläufe steigerten die Effizienz und die Leistungsfähigkeit des Staates1. Doch mittlerweile erfordern Digitalisierung, Globalisierung und Klimawandel vernetztes Denken, Bürger*innen und Wirtschaft fordern Transparenz, Serviceorientierung und schnelle, verständliche Entscheidungen. Hinzu kommt, dass aufgrund des demografischen Wandels immer mehr ältere Mitarbeitende in den Ruhestand gehen und jüngere Mitarbeitende mehr Beteiligung und Selbstverantwortung an ihrem Arbeitsplatz erwarten.
Systemische Grenzen
Dann also alles anders? Führt der Staat jetzt New Work, Holacracy und Scrum ein? So einfach ist es nicht – und dafür gibt es gute Gründe.
Gute Gründe für tradierte Führungsstrukturen in der Verwaltung
Im Dienst der Öffentlichkeit: Die öffentliche Verwaltung ist für die Umsetzung politischer Entscheidungen zuständig. Natürlich kann und sollte sie Strategien entwickeln, der Rahmen hierfür wird aber systembedingt immer enger sein als in Unternehmen oder bei NGOs. Matthias Wolters, Amtsleiter des Staatlichen Amts für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern, formuliert es so: „Wir sind eine Vollzugsbehörde. Dabei sind wir von politischen Prioritäten abhängig. Für mich als Amtsleiter genauso wie für alle Mitarbeitenden bedeutet das: Wir müssen auch Entscheidungen umsetzen, die wir selbst so nicht getroffen hätten.“ Verwaltungen sind im Rechtsstaat genau verortet.
Klare Strukturen und Rollenverteilung: Wer den Diskurs um Verwaltungsmodernisierung verfolgt, stößt schnell auf die Forderung, fachliche Zuständigkeit aufzulösen und sogenannte inhaltliche Silos aufzubrechen, da diese Innovation im Weg stehen. Das stimmt einerseits. Andererseits ist es wichtig, zu verstehen, wie diese Strukturen entstanden sind und welche Funktion sie nach wie vor haben. So schafft ein klarer Verwaltungsaufbau Transparenz: Als Bürgerin weiß ich, an wen ich mich mit welchem Anliegen wenden muss, und die Politik weiß, wer für die Umsetzung von was verantwortlich ist.
Luise Kranich, Abteilungsleiterin Technologiestrategie und Informationstechnik beim Bundesamt für Informationstechnik (BSI), argumentiert: „Hierarchische Systeme können auch Klarheit schaffen. Die Rollen sind im Optimalfall eindeutig definiert und verteilt: Für jede Aufgabe oder Leitungsvorlage gibt es Federführung, Mitwirkung und Abdruck. Das ist sehr transparent und funktioniert bei bekannten Themen auch sehr gut.“ Nicht gut funktioniert dieses System bei neuen Themen, für die es noch keine klaren Zuständigkeiten gibt.

Schlechte Gründe für tradierte Führungsstrukturen in der Verwaltung
Festgefahrene Personalstrukturen: Florian Rauser, Vizepräsident beim Bundesamt für Strahlenschutz: „In der öffentlichen Verwaltung bleiben Führungskräfte meist bis zum Karriereende auf ihrer Position. Mehr Flexibilität würde der Verwaltung hier guttun.“ Hinzu kommt: „Zwei Jahre vor der Rente wollen alle noch mal befördert werden. Die Einstufung der letzten zwei Jahre entscheidet bei Beamten generell über die Höhe der Pension. Damit habe ich systembedingt auf den höchsten Positionen die ältesten Mitarbeitenden. Auch wenn es immer Ausnahmen gibt: Ganz grundsätzlich sind dies nicht die Leute, die am Ende ihrer Laufbahn noch mal krasse Dinge ausprobieren wollen“, so Rauser. Wenn es nach ihm ginge, würden Führungspositionen in der öffentlichen Verwaltung daher nur noch auf Zeit besetzt – wie es z.B. bei Universitäten und deren Leitungen immer schon Usus ist.
Egos, Ängste und Stellenplatzbeschreibungen: Innovative Themen wie Digitalisierung, Klimaschutz oder KI sind häufig zu komplex, um sie aus einer Fachlichkeit heraus zu bearbeiten, es braucht crossfunktionale Teams und kluge Köpfe aus allen Hierarchieebenen. Doch teamübergreifendes Arbeiten zu organisieren und damit aus tradierten Prozessen auszubrechen, ist herausfordernd, wie Rauser berichtet: „Es ist wahnsinnig schwer, Mitarbeitende dazu zu bringen, über Abteilungs- und Hierarchiegrenzen zusammenzuarbeiten. Oft liegt das auch an Führungskräften, die einen Machtverlust fürchten, wenn ihre Mitarbeitenden mit den Mitarbeitenden anderer Führungskräfte projektbasiert zusammenarbeiten“, berichtet Rauser.
Eine weitere Problematik sind in Rausers Erfahrung Arbeitsplatzbeschreibungen: „Vielen Menschen in der öffentlichen Verwaltung geben Arbeitsplatzbeschreibungen Sicherheit. Ich weiß, was ich tun muss – und genau das tue ich. Arbeitsplatzbeschreibungen stehen aber auch jeder modernen Führung entgegen. Moderne Ansätze wie Holacracy oder rollenbasiertes Arbeiten sind so schlicht nicht umsetzbar.“
„Amtssprache Deutsch“: OKR, Scrum, New Work – viele Ansätze und Methoden moderner Führung kommen aus dem angelsächsischen Raum. Methoden mit englischen Namen haben es in der deutschen Verwaltung schwer. Und oft krankt es hier nicht nur an der Sprache, sondern auch an einer fehlenden Bereitschaft von Führungskräften, in der Verwaltung über den deutschen Tellerrand zu schauen.
Moderne Führung definieren
Da die öffentliche Verwaltung zukunftsfähig bleiben muss, müssen öffentliche Führungskräfte moderne Führung im Kontext der teilweise sinnvollen systemischen Grenzen definieren und leben. Und wie diese aussehen können, unterscheidet sich von Person zu Person.
„Moderne Führung in der Verwaltung ist für mich …“
Luise Kranich
Abteilungsleiterin Technologiestrategie und Informationstechnik beim Bundesamt für Informationstechnik
„Orientierung geben und Rücken stärken. Meine Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass die gesamte Linie versteht, was ihr Beitrag zu den übergeordneten Organisationszielen ist. Außerdem bin ich dafür da, meinen Mitarbeitenden den Rücken zu stärken. Die in der Verwaltung so oft von den Mitarbeitenden geforderte Loyalität nach oben gilt nämlich meiner Meinung nach genauso in die andere Richtung: Läuft etwas schief, stelle ich mich hinter meine Mitarbeitenden und trage die Verantwortung.“

Florian Rauser
Vizepräsident beim Bundesamt für Strahlenschutz
„Veränderung ermöglichen. Organisationen erstarren von selbst – die Aufgabe von Führungskräften ist es, Strukturen immer wieder zu hinterfragen und Impulse zu setzen. Nicht selten hole ich mir dabei eine blutige Nase, dann heißt es: weitermachen. Dabei scheitere ich lieber daran, dass ich zu viel als zu wenig vertraue, denn dann hatte ich zumindest Spaß bei der Arbeit.“
Thomas Wechsel
Dezernatsleiter Führungs- und Einsatzmittel Polizeidirektion Osnabrück
„Die Chefmütze bewusst absetzen. Die Polizei ist hierarchisch gewachsen. In bestimmten Situationen ist das notwendig, oft aber eben nicht. Moderne Führung bedeutet für mich, ein sehr gutes Gefühl dafür zu haben, wann es Hierarchie braucht, und wann ich Organisationsziele besser erreiche, indem ich Mitarbeitenden auf Augenhöhe begegne.“
Matthias Wolters
Amtsleiter Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern
„Kommunizieren können. Wer führen möchte, muss Menschen mögen. Besonders wichtig ist mir dabei eine offene und transparente Kommunikation. Wir haben tolle, intrinsisch motivierte Mitarbeitende. Moderne Führung ist für mich, klar zu machen, was unsere Aufgabe ist und wie sich diese in das übergeordnete System einbettet.“

Hol dir eine kostenlose Ausgabe von Neue Narrative
Magazin kostenlos lesenSpricht man mit Führungskräften in der öffentlichen Verwaltung, wird schnell klar: Wichtige Eigenschaften sind Durchhaltevermögen und eine gewisse Leidensfähigkeit verbunden mit einer ausreichend starken Rückendeckung.
Rauser formuliert es so: „Als ich vor gut sechs Jahren meine Stelle als Vizepräsident angetreten habe, hatte ich von Tag eins an viele aus meiner Sicht sehr gute Ideen für notwendige Veränderungen. Allerdings habe ich überall Wände gesehen, sei es das Dienstrecht oder einzelne veränderungsaverse Personen. Rückblickend ist eine meiner wichtigsten Erkenntnisse: Wer Veränderung in der öffentlichen Verwaltung umsetzen will, muss gegen viele Wände rennen. An manchen holt man sich eine blutige Nase, aber andere sind weich wie aus Pappmaché. Da läuft man einfach durch – und ist überrascht, wie leicht es war. Leider weiß ich auch mit einigen Jahren Erfahrung immer noch oft nicht vorab, welche Wände hart und welche weich sind – man kann es nur ausprobieren.“
In Sonderfällen kann es aber auch schnell gehen. Ein Beispiel ist die Corona-Pandemie. Die Hierarchien seien Rauser zufolge zu langsam gewesen, um mit der Herausforderung umzugehen. Aber Homeoffice habe sich ganz plötzlich und einfach umsetzen lassen – weil es keine andere Möglichkeit gab.

OKR bei der Polizei Osnabrück
Die Polizei Osnabrück arbeitet seit zwei Jahren mit der Methode Objectives and Key Results (OKR). Dabei folgt sie der Methodik nicht im Detail, sondern hat diese auf die lokalen Gegebenheiten angepasst. So hat ein OKR-Zyklus bei der Polizei Osnabrück sechs statt drei Monate. Außerdem hat sie es in der Pilotierungsphase für den Bereich Digitalen Wandel genutzt. In den Dienststellen vor Ort spricht Thomas Wechsel gar nicht erst von OKR, sondern nutzt lieber Formulierungen wie: „Lass mal über Digitalisierung im Streifendienst sprechen.“ Die Aussagen fließen dann in das übergeordnete Planning ein.
Wechsel ist überzeugt, dass OKRs bei der Polizei Osnabrück schon in der Pilotierungsphase zu einer deutlich stärkeren Strategieorientierung und -umsetzung geführt haben.

Ein weiteres Hindernis für moderne Führung in der öffentlichen Verwaltung sind Laufbahnsysteme und Verbeamtungen. Innerhalb dieser sind die Beurteilungs- und Feedbacksysteme ausschließlich Top-down und nicht auf die Weiterentwicklung ausgerichtet. So berichtet Kranich, dass Beamte quotiert beurteilt werden. Das bedeutet, dass nur ein gewisser Prozentsatz die Note „sehr gut“ bekommen kann, unabhängig von der tatsächlichen Teamleistung – und die Beurteilung erfolgt nur in sehr großen Abständen. Das ist deswegen von Bedeutung, weil Beurteilungen das maßgebliche Beförderungsinstrument sind. „Natürlich kann ich nicht mehr Leute befördern als entsprechende Stellen vorhanden sind, aber es können ja trotzdem mehr als x Prozent sehr gute Arbeit machen. Und das möchte ich ihnen auch genau so bestätigen können – das ist in der Verwaltung aber nicht vorgesehen. Dadurch entsteht häufig das Gefühl fehlender Wertschätzung und sehr viel Frust. Ich suche dann das persönliche Gespräch mit den betroffenen Personen, das hilft aber nur bedingt.“
Die Weiterentwicklung der Führungskräfte ist auch für Rauser ein zentrales Thema. Rauser hat dafür „gegen große Skepsis“ ein organisationsinternes Führungskräftefeedback als Teil der Mitarbeitendenbefragung eingeführt.
Befragung mit Feedback beim Bundesamt für Strahlenschutz
Eine Führungskraft in der öffentlichen Verwaltung hat also durchaus Möglichkeiten, Aspekte moderner Führung umzusetzen. Grundlage ist allerdings ein gutes Verständnis des eigenen Einflusses. Für die Verortung kann hier das Modell „Circle of Influence“ hilfreich sein2. Dieses Modell besagt, dass ich mich auf die Dinge konzentrieren sollte, auf die ich Einfluss habe, anstatt meine Energie mit Dingen zu verschwenden, die ich ohnehin nicht beeinflussen kann.

Thomas Wechsel übersetzt dieses Prinzip in seine tägliche Arbeit. So ist er zwar als Dezernatsleiter Führungs- und Einsatzmittel grundsätzlich für Beschaffungen zuständig. Allerdings gibt es auch vieles, was er nicht beeinflussen kann: „Neue IT-Systeme werden zum Beispiel auf Landesebene angeschafft. Gut möglich, dass ich ein anderes Zeiterfassungstool gewählt hätte – das kann ich aber nicht beeinflussen. Nicht beeinflussen kann ich außerdem das Arbeitsrecht auf EU-Ebene. Oder dass wir bei der Polizei bzgl. mobiler Arbeit nicht komplett frei sind. Bei einem Terroranschlag hilft es mir nichts, wenn meine Leute auf den Malediven im Homeoffice sitzen – auch, wenn das ansonsten vollkommen okay wäre.“ Was er als Führungskraft aber durchaus beeinflussen könne, ist, wie die Teams mit diesen Rahmenbedingungen umgehen. Sehr gute Erfahrungen hat Wechsel hier mit der Methode „Teamcharta“ gemacht. In der Teamcharta definieren die Teams bei der Polizei Osnabrück die Regeln für mobiles Arbeiten (siehe Infobox rechts).

Einen weiteren Aspekt zur Rolle der Führungskraft in der öffentlichen Verwaltung bringt Matthias Wolters als Amtsleiter Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern ein. So sei sein Amt zwar nur „Vollzugsbehörde“, aber deshalb alles andere als unwichtig: „Als Führungskraft muss ich den Mitarbeitenden verständlich machen, welche Rolle wir im System einnehmen. Wir treffen keine politischen Entscheidungen und müssen auch nicht persönlich mit allen Entscheidungen einverstanden sein. Aber es ist extrem wichtig, dass die von Politiker*innen getroffenen Entscheidungen von uns gut umgesetzt werden. Wir sind kompetent und gründlich.
Wir sind gute Partner*innen von Unternehmen, die z.B. Windkrafträder errichten – und gleichzeitig kann sich die Allgemeinheit darauf verlassen, dass auch ihre Anliegen bei uns in guten Händen sind.“ Um diese Botschaft immer wieder zu verstärken, schickt Wolters einmal pro Woche eine Mail an alle Mitarbeitenden. Hier berichtet er über den Stand eines aktuellen Strategieprojektes und bringt persönliche Aspekte ein.
Im Endeffekt steht auch hier der Kerngedanke von der Circle-of-Influence-Theorie: Politische Entscheidungen kann Wolters nicht beeinflussen, aber sehr wohl, mit welchem Selbstverständnis diese von seiner Behörde umgesetzt werden.
Rauser hingegen setzt dabei auf persönlichen Kontakt. Er nutzt digitale All-hands-Meetings, um die hierarchischen Kommunikationskanäle zu erweitern und die Mitarbeitenden auf allen Ebenen über Ziele und aktuelle Entwicklungen zu informieren (siehe Infobox).
Teamcharta-Workshop bei der Polizeidirektion Osnabrück
In der Teamcharta legen die Mitarbeitenden der Polizeidirektion Osnabrück die Regeln für die Homeoffice-Arbeit fest. Dies erfolgt im Rahmen eines dreistündigen Workshops. „Im Kern geht es darum, einen Dreiklang auszutarieren: die Bedürfnisse des Arbeitgebers, die persönlichen Bedürfnisse der Mitarbeitenden und die Bedürfnisse des Teams“, erläutert Wechsel. Der Workshop wird teamextern moderiert, Wechsel schaut sich dann die Ergebnisse an. „Theoretisch könnte ich um Nachbesserung bitten, wenn die Bedürfnisse des Arbeitgebers nicht ausreichend beachtet worden wären. Dies war aber noch nie notwendig. Meine Erfahrung zeigt: Die Mitarbeitenden verstehen diese Bedürfnisse sehr gut, da muss ich als Führungskraft gar nichts machen.“ Quartalsweise und bei Neuzugängen wird die Teamcharta durchgesprochen und überarbeitet, denn: „Eine Teamcharta, die unverändert länger als ein Jahr einstaubt, hat keinerlei Funktion oder Bedeutung mehr“, so Wechsel.
Teamcharta Ablaufplan

Digitale All-hands-Meetings
beim Bundesamt für Strahlenschutz inkl. Podcast-Folge mit der Amtsleitung
All-hands-Meetings sind in der Verwaltung eher ungewöhnlich. Rauser hat diese gemeinsam mit der Präsidentin beim Bundesamt für Strahlenschutz unter dem Namen „BfS Dialog Digital“ in der Coronazeit eingeführt.
Digitale All-hands-Meetings
Format:
- Eine Stunde, ca. alle zwei Monate
- Etwa 300 bis 400 Mitarbeitende pro Treffen
- Die Treffen finden vormittags statt, wobei der Wochentag variiert, um Teilzeitkräfte nicht dauerhaft auszuschließen.
Agenda:
- Kurze Ansprache der Präsidentin
- Zwei bis drei Interviews/Gespräche mit ein bis fünf (i.d.R. interne) Gästen, moderiert durch Rauser
- Folien sind nicht erlaubt, nur Dialog
- Mitarbeitende können im Chat Fragen stellen
Themenfindung:
- Mitarbeitende können im Intranet Themenvorschläge einbringen, auch in den wöchentlichen Leitungsrunden ergeben sich Themen.
- Etwa zwei Wochen vor dem Dialog Digital treffen sich Präsidentin, Vize-Präsident und die vorbereitende Referentin und wählen die aktuell passenden Themen.
Themen:
- eine Mischung aus fachlichen Themen und Querschnittsthemen, Beispiele sind Resilienz, Fehlerkultur, Citizen Science, aber auch Notfallschutz Ukraine, Zivilschutz – und was das für uns als Behörde bedeutet
Orga > Ego
Wer momentan die Staatsreform fordert oder als Führungskraft aktiv an ihr arbeitet, sollte im Blick behalten: Organigramme und Hierarchien haben auch heute einen Wert – und doch brauchen sie ein Update, das die Verwaltung und damit am Ende den Rechtsstaat stärkt. Oder wie Rauser sagt: „Als Führungskraft in der öffentlichen Verwaltung muss ich Veränderung ermöglichen. Allerdings eine, die nicht meinem Ego, sondern der Organisation dient.“

Takeaways
-
Verwaltungen brauchen moderne Führung, um Veränderung zu ermöglichen, handlungsfähig zu bleiben und um attraktiv für jüngere Mitarbeitende zu sein.
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In der Verwaltung stößt moderne Führung an systemische Grenzen wie Hierarchien und fachliche Zuständigkeiten. Diese Grenzen sind teilweise sinnvoll, denn sie ergeben sich z.B. daraus, dass es die Aufgabe der Verwaltung ist, politische Beschlüsse umzusetzen und sie hierfür gegenüber der Öffentlichkeit rechenschaftspflichtig ist.
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Die Aufgabe von Führungskräften in der öffentlichen Verwaltung ist es, moderne Führung im Kontext der systemischen Grenzen zu definieren und zu leben. Zum Glück gibt es inzwischen viele Vorreiter*innen, die mit innovativen Methoden arbeiten und anderen Führungskräften Ideen liefern.
Über die Autorin
Katharina Schlüter hilft öffentlichen Verwaltungen bei der Transformation. Sie schreibt darüber journalistische Artikel und praxisnahe Studien. Zudem hat Katharina die Stadtschmiede gegründet, ein Netzwerk von Expert*innen, das Führungskräfte in Stadtverwaltungen bei der Organisations- und Strategieentwicklung berät.
FUßNOTEN
- 1
Auch wenn die Vermeidung von Willkür ein explizites Ziel moderner Bürokratien ist, stimmt es auch, dass Minderheiten im Kontakt mit der öffentlichen Hand nach wie vor Diskriminierungserfahrungen machen. Dies hat u.a. mit der unzureichenden Diversität der Mitarbeitenden und Führungskräfte in Verwaltungen zu tun. ↩
- 2
Stephen Covey: The 7 Habits of Highly Effective People (1989). Die Grundlagen für die Theorie legte Psychologe Kurt Levin in den 1940er-Jahren. ↩





