Welche Hoffnungen und Ängste gibt es innerhalb der Belegschaft in Hinblick auf die KI-Nutzung? Und: Wie ist die IG Metall damit umgegangen?
- Organisation: IG Metall
- Mitarbeiter*innenanzahl: 2.500 (2026)
- Rechtsform: Gewerkschaft
- Hack: Künstliche Intelligenz
Das Problem
Agnieszka Payerl, Trainerin für digitale Zusammenarbeit bei der IG Metall, gab Workshops zur KI-Nutzung, in denen sie grundlegende Fähigkeiten und Kenntnisse im Umgang mit LLMs vermittelte. Außerdem richtete sie über Microsoft Teams einen virtuellen Arbeitsbereich ein. Dieses sogenannte „KI-Ideenlabor“ diente der kollegialen Fallberatung sowie dem Austausch von Prompts, Tipps, Tricks und Hinweisen.
Innerhalb von sechs Monaten nahmen 230 Menschen an den Workshops teil. Payerl spricht von der „Schneeballphase“: Was mit einer Mail an eine Handvoll Kolleg*innen begann, war zu einer Bewegung innerhalb der Organisation geworden.
Bei den Teilnehmer*innen stand nun die Hoffnung im Vordergrund, durch den Einsatz von KI die Arbeitslast reduzieren zu können. Demgegenüber formulierte der Gesamtbetriebsrat die Befürchtung, dass potenzielle Arbeitszeiteinsparungen zu Kündigungen führen könnten.
Das ist eine Sorge, die Beschäftigte vieler Unternehmen gerade haben – und ein potenzieller Konflikt, der der Nutzung von KI hätte im Weg stehen können.
Die Lösung
Im Austausch mit Payerl beschloss der Gesamtbetriebsrat deshalb eine Rahmen-Gesamtbetriebsvereinbarung als Leitlinie zur KI-Nutzung. Die wichtigsten Beschlüsse:
- Alle Beschäftigten dürfen KI nutzen, aufgrund der Datenschutzrichtlinien allerdings nur Copilot. Dazu soll es Schulungen geben.
- KI darf nicht zu Leistungs- und Verhaltenskontrollen verwendet werden.
- Betriebsbedingte Kündigungen im Zusammenhang mit KI sind ausgeschlossen.
Somit mussten die Beschäftigten weder fürchten, dass sie während der Nutzung von KI kontrolliert und überwacht werden, noch bangen, dass sie ihrer eigenen Entlassung entgegenarbeiten, wenn sie Aufgaben an die KI auslagern. Durch die explizite Erlaubnis zur Nutzung von KI waren darüber hinaus die Workshops und das KI-Ideenlabor legitimiert, ebenso wie die Arbeitszeit, die dort eingeht.
Was gerade viele Unternehmen merken: KI verspricht Produktivitätssteigerungen, kostet aber auch Geld. Bei Copilot kostet die erweiterte Lizenz 26 Euro pro Nutzer*in pro Monat. Sollte die IG Metall der Belegschaft die Lizenz bezahlen? Für alle? Das wäre kein sorgsamer Umgang mit den Beiträgen der Gewerkschaftsmitglieder. Nur für Einzelne? Auf welcher Basis?
Auch hierfür hat die IG Metall eine, wie ich finde, smarte Lösung gefunden. Aber dazu dann mehr in der nächsten Ausgabe.
Nachdenklich darüber, ob man für den Journalismus nicht auch so eine Gesamtbetriebsvereinbarung beschließen könnte, grüßt
Paul und das Team von Neue Narrative
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