Case Clinic

Wer hat Zugriff auf mein KI-Chatfenster?

  • Text: Paul Fenski

Welche Hoffnungen und Ängste gibt es innerhalb der Beleg­schaft in Hinblick auf die KI-Nutzung? Und: Wie ist die IG Metall damit umgegangen?

  • Organisation: IG Metall
  • Mitarbeiter*­innen­anzahl: 2.500 (2026)
  • Rechts­form: Gewerk­schaft
  • Hack: Künstliche Intelligenz

Das Problem

Agnieszka Payerl, Trainerin für digitale Zusammen­arbeit bei der IG Metall, gab Workshops zur KI-Nutzung, in denen sie grund­legende Fähig­keiten und Kennt­nisse im Umgang mit LLMs ver­mittelte. Außerdem richtete sie über Microsoft Teams einen virtuellen Arbeits­bereich ein. Dieses sogenannte „KI-Ideenlabor“ diente der kollegialen Fall­beratung sowie dem Austausch von Prompts, Tipps, Tricks und Hinweisen.

Innerhalb von sechs Monaten nahmen 230 Menschen an den Workshops teil. Payerl spricht von der „Schnee­ball­phase“: Was mit einer Mail an eine Handvoll Kolleg*innen begann, war zu einer Bewegung innerhalb der Organisation geworden.

Bei den Teil­nehmer*innen stand nun die Hoffnung im Vorder­grund, durch den Einsatz von KI die Arbeits­last reduzieren zu können. Demgegen­über formulierte der Gesamt­betriebsrat die Befürchtung, dass potenzielle Arbeits­zeit­einsparungen zu Kündigungen führen könnten.

Das ist eine Sorge, die Beschäftigte vieler Unter­nehmen gerade haben – und ein potenzieller Konflikt, der der Nutzung von KI hätte im Weg stehen können.

Die Lösung

Im Austausch mit Payerl beschloss der Gesamt­betriebsrat deshalb eine Rahmen-Gesamt­betriebs­vereinbarung als Leit­linie zur KI-Nutzung. Die wichtigsten Beschlüsse:

  • Alle Beschäftigten dürfen KI nutzen, aufgrund der Daten­schutz­richt­linien allerdings nur Copilot. Dazu soll es Schulungen geben.
  • KI darf nicht zu Leistungs- und Verhaltens­kontrollen verwendet werden.
  • Betriebs­bedingte Kündigungen im Zusammen­hang mit KI sind aus­geschlossen.

Somit mussten die Beschäftigten weder fürchten, dass sie während der Nutzung von KI kontrolliert und über­wacht werden, noch bangen, dass sie ihrer eigenen Entlassung entgegen­arbeiten, wenn sie Aufgaben an die KI auslagern. Durch die explizite Erlaubnis zur Nutzung von KI waren darüber hinaus die Workshops und das KI-Ideen­labor legitimiert, ebenso wie die Arbeits­zeit, die dort eingeht.

Was gerade viele Unternehmen merken: KI verspricht Produktivitäts­steigerungen, kostet aber auch Geld. Bei Copilot kostet die erweiterte Lizenz 26 Euro pro Nutzer*in pro Monat. Sollte die IG Metall der Beleg­schaft die Lizenz bezahlen? Für alle? Das wäre kein sorgsamer Umgang mit den Beiträgen der Gewerk­schafts­mitglieder. Nur für Einzelne? Auf welcher Basis?

Auch hierfür hat die IG Metall eine, wie ich finde, smarte Lösung gefunden. Aber dazu dann mehr in der nächsten Ausgabe.

Nachdenklich darüber, ob man für den Journalismus nicht auch so eine Gesamt­betriebs­vereinbarung beschließen könnte, grüßt
Paul und das Team von Neue Narrative

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