In Beautiful Boy singt John Lennon: „Life is what happens to you while you're busy making other plans.“ Frei übersetzt: Leben ist das, was passiert, während du damit beschäftigt bist, andere Pläne zu schmieden. Ich glaube, Lennon wollte damit nicht sagen, dass es an sich sinnlos ist, zu planen. Nur, dass es eben oft doch ganz anders kommt, und wir es manchmal nicht mal bemerken.
Es lohnt sich also, auf etwas hinzuarbeiten, auch langfristig. Wichtig ist dabei nur, regelmäßig zu prüfen, ob der Plan noch stimmig ist, oder angepasst werden muss.
- Organisation: Seibert Media
- Mitarbeiter*innenanzahl: 330 (2023)
- Rechtsform: GmbH
- Hack: Ziele als Hypothesen
Das Problem
Im letzten Newsletter habe ich erzählt, wie Seibert Media per kollegialer Rollenwahl einen Strategiekreis besetzt hat. Damit war aber erst die Frage geklärt, wer Strategie macht, nicht wie. Eine Strategie der Gesellschafter existierte zwar, war aber weder allen bekannt noch zentral dokumentiert. Klassische Zielsysteme waren zuvor am Widerstand der Belegschaft gescheitert: zu top-down, zu starr. Wie also hält ein selbstorganisiertes Unternehmen Ziele fest, ohne dass sie zur Ansage von oben werden oder an der Realität vorbeiplanen?
Die Lösung
Der Strategiekreis hat ein eigenes Zielsystem mit drei Ebenen entwickelt:
- Objective (1 bis 3 Jahre, unternehmensweit): gibt grob die langfristige Richtung vor und besteht aus mehreren Epics.
- Epic (4 bis 12 Monate, kreisübergreifend): ein umfangreiches Ziel, das aus mehreren Features besteht.
- Feature (4 Monate): die kleinste Einheit, verantwortet von einem oft kreisübergreifenden Team, das selbst entscheidet, wie es das Feature umsetzt.
Der Clou steckt in den Epics: Jedes besteht aus einer Frage und einer Hypothese. Im Idealfall überprüft der Strategiekreis alle vier Monate gemeinsam mit dem/der Owner*in, ob die Hypothese bestätigt oder widerlegt ist. Und wird sie widerlegt, gilt auch das als Erfolg. Anders als ein klassisches Ziel muss eine Hypothese also nicht erreicht, sondern überprüft werden.
Die Stolperfalle
Hypothesen funktionieren nur, wenn ihre Widerlegung nicht bestraft wird. Sobald Owner*innen sich für Korrekturen rechtfertigen müssen, formulieren alle nur noch Hypothesen, die sicher bestätigt werden, und der Lerneffekt ist dahin. Die Überprüfung braucht außerdem einen festen Rhythmus: Ohne den Vier-Monats-Takt bleiben widerlegte Epics einfach liegen.
Pläne sind also nur gut, wenn wir immer wieder bereit sind, sie zu ändern. Bei Seibert Media haben sie daraus die richtige Konsequenz gezogen: nicht weniger planen, sondern bereit sein, Pläne auch wieder über den Haufen zu werfen.
Mit vorläufig planmäßigen Grüßen
Paul und das Team von Neue Narrative
PS: Wie denn eigentlich die Ziele unter Beteiligung der Belegschaft entstehen, dazu kommen wir dann endlich in der nächsten Ausgabe.
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