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Caring Companies

Fair Pay zahlt sich aus

  • Text: Jessi von Blazekovic

In einem meiner früheren Jobs habe ich mal heraus­gefunden, dass ein Kollege in der­selben Position, mit der­selben Berufs­erfahrung, mit der­selben Betriebs­zugehörig­keit rund 1000 Euro IM MONAT mehr verdiente. Einfach nur, weil er sich in den Gehalts­verhandlungen besser verkauft hat und – das ist natürlich nur meine Annahme – weil er ein Mann ist.

Ich kann mich noch heute gut an die Gefühle erinnern, die das in mir ausgelöst hat: Wut, Ent­täuschung, Macht­losigkeit. Ich fühlte mich klein und weniger wert.

Heute könnte ich mich theoretisch dagegen wehren: In Deutschland gibt es seit 2017 das Entgelt­transparenz­gesetz, das die Lohn­lücke zwischen Männern und Frauen schließen soll. Bewirkt hat sie jedoch wenig, immer noch beträgt der Gender Pay Gap bereinigt 6 Prozent. Klingt wenig? Auf ein ganzes Berufs­leben gerechnet summiert sich das auf Hundert­tausende Euro. Das Gesetz ist ein klassischer Papiertiger.

Druck von der EU

Eine neue EU-Richtlinie zwingt die Bundes­regierung jetzt dazu, nach­zuschärfen. Sie soll faire und transparente Löhne in allen Mitglied­staaten zum Standard machen und Ungleich­behandlung vorbeugen. Die Frist für die Umsetzung der Richt­linie in ein nationales Gesetz lag auf dem 7. Juni dieses Jahres. Guess what: Deutsch­land hat sie gerissen. Bislang gibt es nicht einmal einen Entwurf für das Gesetz – auch, weil Wirtschafts­vertreter:innen es noch verhindern wollen. Mit dieser Verzögerungs­taktik schaden sie aber nun genau der Gruppe, für deren Interessen sie sich eigentlich einsetzen sollen: den Unternehmen.

Viele Personaler:innen sind total verunsichert, welches Recht denn jetzt nun gilt. Andere Orgas wissen nicht einmal, dass sie bald umfang­reiche Berichts­pflichten haben werden. Dieses juristische Vakuum geht auf die Kappe der Regierung und der Wirtschafts­lobby, die eine so sinnvolle Maßnahme wieder mal als Bürde statt als Chance verstehen. Denn während Arbeit­geber:innen vor einem Büro­kratie­monster warnen, können die neuen Regeln nach getaner Arbeit auch eine wunder­schöne Gelegen­heit sein: Für mehr Zufrieden­heit unter den Mit­arbeitenden und einen klaren Wett­bewerbs­vorteil auf dem Arbeits­markt.

Wer nicht auf die Politik warten will, kann jetzt schon handeln. Viel Spielraum hat die Regierung bei der Umsetzung der EU-Richtlinie nicht, rund 80 Prozent der Aus­gestaltung stehen schon fest. Mit Ablauf der EU-Frist hat sich die Rechts­grundlage außerdem schon geändert: Gerichte könnten auch jetzt schon die neuen Regeln heran­ziehen.

Was Caring Companies tun können

  • Ein Vergütungs­modell mit objektiven und nach­voll­zieh­baren Kriterien erstellen
  • Stellen­bewertungen erstellen oder aktualisieren
  • Vergleichs­gruppen bilden
  • Eine Equal-Pay-Analyse durchführen
  • Ein System für den Aus­kunfts­anspruch entwickeln
  • Regeln für das Recruiting aufsetzen (z.B. keine Fragen nach dem bisherigen Gehalt)
  • Je nach Orga-Größe: Reporting und Dokumentation vor­bereiten
  • Optional: Einen Gehalts­prozess entwickeln (So machen wir das bei NN)

Einen ausführlichen Guide inklusive Check­listen, den wir gemeinsam mit einer Fach­anwältin für Entgelt­transparenz erstellt haben, findest du hier.

Klar, da steckt viel Bürokratie drin. Aber in diesem Fall führt sie zu einer gerechteren (Arbeits-)Welt und das sollte es allemal wert sein.

Ich habe meine (Not-)Fair-Pay-Geschichte mit dir geteilt und würde mich freuen, deine zu hören. Hast du schon mal etwas Ähnliches erlebt? Weißt du, ob dein Gehalt fair ist? Wie hast du das fest­gestellt?

Jessi und das Team von Neue Narrative

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