Ich habe eine Weile überlegt, was mein Weggang bei Neue Narrative mit dem Thema Caring Companies zu tun hat und bin zu dem Schluss gekommen: einiges.
Diese Woche gibt es etwas andere News. Die schlechte Nachricht: Ich werde Neue Narrative verlassen, um ein neues Kapitel in meiner Biografie anzufangen. Das heißt auch, dass ich diesen Newsletter leider nicht mehr weiterschreibe. Die gute Nachricht: Meine liebe neue Kollegin und Nachfolgerin Jessi wird den Newsletter übernehmen. Sie brennt für das Thema Care und steckt mit zwei kleinen Kindern auch mittendrin.
Die Ruhe nach dem Sturm
Wer meinen Newsletter von Anfang an verfolgt, weiß, dass ich mit knapp 21 Mutter geworden bin (ihr anderen wisst es jetzt). Nun ist es 21 Jahre später. Meine Tochter ist vorletztes Jahr ausgezogen und in ihr Erwachsenenleben gestartet. Hieß für mich: Schalter umlegen – Fokus auf mich: Was will ich eigentlich? Wie sorge ich für mich und meine Bedürfnisse, nachdem ich so viele Jahre für eine andere Person gesorgt habe?
Viele stellen sich das befreiend vor. Die Kinder sind aus dem Haus und man feiert jeden Tag eine wilde Party. Es ist auch befreiend, Zeit und Energie zurückzubekommen. Aber es ist auch beängstigend. Die Umstellung war für mich nicht so einfach. Man muss nämlich plötzlich für sich selbst Verantwortung übernehmen. Uaah! Und noch eine Sache möchte ich einmal sagen: Kinder über 18 bedeuten nicht automatisch Sorgenfreiheit.
Große Kinder, große Sorgen?
In den Debatten um Elternschaft wird sehr viel über kleine Kinder und die Sorgen damit gesprochen. Aber nicht so viel über Elternschaft von Teenagern oder sogar erwachsenen Kindern. Sobald die Kinder 18 sind, kann man ihnen nichts mehr vorschreiben. Aber genau hier fangen sie an, ein Leben aufzubauen, entscheiden sich für Berufe, Wohnorte, Lebensmodelle. Und sie brauchen einen noch sehr oft, auch wenn sie es nicht zugeben. Es geht nicht mehr um Probleme wie „Wie binde ich Schnürsenkel?”, sondern um existenzielle Lebensfragen wie „Wie finde ich den Job, der mich wirklich erfüllt?”. Fragen, die ich noch nicht einmal für mich selbst beantworten kann. Mir hat das gezeigt, dass tägliche Fürsorge für die Kinder zwar irgendwann aufhört – aber Sorge um sie nie.
Was hat das mit dem Arbeitsplatz zu tun? Als meine Tochter in einer Eignungsprüfung saß, die ihren gesamten weiteren Lebensweg bestimmen sollte, bin auch ich den ganzen Arbeitstag vor Nervosität zu nichts gekommen. Bei Neue Narrative haben wir ein Elternnetzwerk über Slack aufgebaut, wo wir uns gegenseitig Tipps geben oder einfach nur zuhören. Selbst wenn dort niemand einen Rat für mich hat, weil die meisten dort kleinere Kinder haben, tut es gut, diese Sorge dort zu teilen. Und auch die Freude darüber, dass sie die Prüfung bestanden hat.
Ich übernehme jetzt Verantwortung für mich und wage noch mal einen beruflichen Neustart. Aber den Newsletter werde ich ein bisschen vermissen.
Ich wünsche dir alles Gute auf dem Weg in eine fürsorgliche Arbeitskultur und hoffe, ich konnte eine paar gute Ideen, Anregungen und Tipps dalassen. Jessi sitzt schon in den Startlöchern, um zu übernehmen. Und ich freue mich schon sehr drauf, ihre Newsletter dann selbst zu lesen.
Laura und das Team von Neue Narrative
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