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Kommentar

Unternehmen wollen wegen KI Löhne senken

Menschen mit wenig Berufserfahrung sollen am stärksten von den Lohnkürzungen betroffen sein. Einstiegsjobs gelten zudem generell als gefährdet. Sieht so Unternehmertum mit Weitsicht aus?

Laut einer Umfrage des ifo-Instituts erwarten Unternehmen in den kommenden fünf Jahren einen Lohnrückgang durch künstliche Intelligenz (KI). „Am ehesten rechnen sie bei weniger erfahrenen Arbeitskräften mit sinkenden Löhnen“, sagt Forscherin Anna Ruffert zu den Ergebnissen der Umfrage, an der mehr als 3.000 Unternehmen in Deutschland teilnahmen, die KI einsetzen. Doch auch bei Arbeitskräften mit Hochschulabschluss und mindestens fünf Jahren Berufserfahrung gehen die Unternehmen von mehrheitlich sinkenden Löhnen aus.

Wie stark die Auswirkungen im Einzelnen sein werden, hängt laut Umfrage auch von der Branche ab. Am stärksten betroffen ist der Dienstleistungsbereich, wo 53,3 Prozent der Unternehmen in der Gruppe der weniger gebildeten und weniger erfahrenen Menschen Lohnrückgänge erwarten. Das Schlusslicht bildet die Baubranche, doch selbst hier erwarten 39 Prozent sinkende Löhne.

Zusätzlich ist mit einem Rückgang von Arbeitsplätzen in sogenannten mittelqualifizierten Berufen zu rechnen. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO).1 Mittelqualifizierte Berufe sind solche, die Schul- und Studienabgänger*innen besonders häufig ergreifen, weil sie wenig Berufserfahrung haben. Die ILO warnt deshalb vor einer Krise für junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt. Laut ILO-Generaldirektor Gilbert F. Houngbo wachse eine Generation ohne Zuversicht heran.

Wenn niemand die erfahrenen Mitarbeiter*innen von morgen einstellt, wird es sie nicht geben.

Wenn das ifo-Institut schreibt, Unternehmen „erwarten“ sinkende Löhne, dann heißt das nichts anderes, als dass sie im Einsatz künstlicher Intelligenz die Möglichkeit sehen, die Löhne ihrer Beschäftigten zu drücken. Auch die ILO hält KI für einen Treiber steigender Jugendarbeitslosigkeit.

Unternehmen hoffen, Junior-Stellen durch KI-Agenten ersetzen zu können. Zugleich steigt die Nachfrage nach gut ausgebildeten, berufserfahrenen Fachkräften. Doch woher sollen die kommen, wenn Schul- und Studienabgänger*innen immer seltener einen Job finden?

Hinzu kommt: Dass KI tatsächlich in großem Stil Arbeit abnimmt, ist in vielen Fällen noch immer Wunschdenken. Selbst wenn sich das in den nächsten fünf Jahren ändert: Wäre es nicht klüger, frei werdende Kapazitäten zu nutzen, um Arbeitsabläufe zu verbessern und neue Produkte zu entwickeln? So könnte Wachstum entstehen, das auf Innovationen statt nur auf Einsparungen beruht. Viele Unternehmen in Deutschland haben offenbar etwas anderes vor.

FUßNOTEN

  • 1

    Die deutlichsten Verschlechterungen treten tatsächlich in Volkswirtschaften des globalen Nordens auf, etwa in Nordamerika, wo es einen Anstieg von 8,3 Prozent in 2023 auf 9,8 in 2025 gab. Deutschland steht im EU-Vergleich zwar gut dar, doch auch hier ist die Tendenz steigend.

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