Die Bundesregierung will den 8-Stunden-Tag aufweichen. Künftig soll nur noch eine wöchentliche Obergrenze gelten, die zeitweise überschritten werden darf. 73,5-Stunden-Wochen wären möglich.
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hat im Bundestag ein Gesetz angekündigt, das den 8-Stunden-Tag abschafft. Der Koalitionsvertrag von Union und SPD stellt dies in einen Zusammenhang mit EU-Recht. Laut einer Berechnung der Hans-Böckler-Stiftung wäre nach der Änderung eine Wochenarbeitszeit von 73,5 Stunden möglich.
Die EU-Arbeitszeitrichtlinie sieht 45 Minuten Pause und eine tägliche Mindestruhezeit von 11 Stunden vor. Pro Tag sind das maximal 12 Stunden und 15 Minuten Arbeit. Da in der Richtlinie nur ein Ruhetag vorgeschrieben ist, sind so pro Woche 73,5 Stunden möglich, solange die Beschäftigten im Halbjahresschnitt auf 48 Stunden kommen.
Der 8-Stunden-Tag gehört zu den ältesten Forderungen der Arbeiter*innen-Bewegung. Seit 1918 ist er in Deutschland Gesetz.
§ 3 des Arbeitszeitgesetzes regelt, dass von Montag bis Samstag täglich höchstens 8 Stunden gearbeitet werden dürfen. Allerdings dürfen Beschäftigte bereits jetzt täglich 10 Stunden arbeiten, solange sie über einen Zeitraum von sechs Monaten hinweg die Wochenarbeitszeit von 48 Stunden nicht überschreiten.
Arbeitsministerin Bas beschreibt die geplante Änderung als Maßnahme, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. Zugleich solle die elektronische Zeiterfassung geregelt werden, um eine Ausweitung der Arbeitszeiten zu verhindern. „Es soll ja auch nicht ausbeuterisch werden, die Flexibilität“, sagte Bas im Bundestag.
Arbeitgeber*innen-Verbände fordern die Reform seit Jahren. Die starre Tagesgrenze passe nicht mehr zur Realität vieler Jobs, etwa im Homeoffice, in der Pflege oder bei flexiblen Schichtmodellen.
Gewerkschaften sehen den Vorstoß dagegen kritisch. DGB-Chefin Yasmin Fahimi warnt in einem Interview mit der SZ, dass Beschäftigte „gezwungen werden [könnten], an einzelnen Tagen länger zu arbeiten.“
Der Gesetzentwurf soll im Juni 2026 vorgelegt werden.





