Neu: #27 „Komm ins Spiel!" ist da – bis 4.9. gibt's das große NN Spiele-Set dazu.

Case Clinic

Wer Strategie umsetzt, sollte mitentscheiden

  • Text: Paul Fenski

Wenn Menschen eine Strategie einfach vor­gesetzt bekommen, gibt es drei Reaktionen: 1. Das ist nicht machbar. 2. Die Ziele sind falsch. 3. Beides trifft zu. Ich glaube, Strategien scheitern nicht nur daran, dass niemand die Personen fragt, die sie umsetzen sollen. Sie scheitern auch, weil der Glaube daran fehlt: das Gefühl, hier gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

  • Organisation: Seibert Media
  • Mitarbeiter*­innen­anzahl: 330 (2023)
  • Rechts­form: GmbH
  • Hack: Partizipative SWOT-Analyse

Das Problem

In der vorletzten und letzten Ausgabe habe ich erzählt, wie Seibert Media einen Strategie­kreis gewählt und ein Ziel­system aus Hypothesen entwickelt hat. Eine Frage habe ich dabei offen­gelassen: Woher kommen diese Hypothesen eigentlich? Hätte der frisch gewählte Kreis sie sich allein ausgedacht, wäre das alte Problem durch die Hintertür zurück­gekehrt: eine Handvoll Leute entscheidet, alle anderen sollen umsetzen. Der Kreis brauchte also eine Methode, mit der möglichst viele Menschen mitwirken können.

Die Lösung

Der Strategie­kreis griff zur SWOT-Analyse, die Stärken (Strengths), Schwächen (Weaknesses), Chancen (Opportunities) und Risiken (Threats) erfasst. Die Stärken und Schwächen ermittelte der Kreis in Workshops mit Vertreter*innen der Teams. Die Chancen und Risiken wiederum erarbeiteten die Teams der Geschäfts­bereiche autonom, schließlich sind es die Menschen, die dem Markt am nächsten sind. Der Strategie­kreis clusterte die Ergebnisse, jedes Mitglied vergab pro Quadrant sechs Punkte für die wichtigsten Cluster, und die Gewichtungen wanderten in eine Matrix. Vier Fragen helfen, sie auszufüllen:

  1. Welche Stärken helfen uns, Chancen zu nutzen?
  2. Mit welchen Chancen überwinden wir Schwächen?
  3. Welche Stärken helfen uns, Gefahren zu vermeiden?
  4. Welche Schwächen müssen wir minimieren, um Gefahren zu vermeiden?

Jede Antwort auf diese Fragen ist im Kern schon eine Annahme. Ein Beispiel: Aus der Stärke „attraktive Büro­flächen“ und dem Trend zu Hybrid Work entsteht die Hypothese, dass das Büro künftig flexible Nutzungs­möglich­keiten bieten muss. Daraus wurde ein Epic mit über­prüfbaren Erfolgs­kriterien.

Die Stolperfalle

Eine SWOT-Analyse ist nur so ehrlich wie ihre Teil­nehmer*innen. Gerade bei den Schwächen braucht es ein Klima, in dem Menschen unangenehme Wahr­heiten aussprechen können, ohne dass sich einzelne Teams an den Pranger gestellt fühlen.

Wer die Machbarkeit selbst ein­geschätzt hat, sagt seltener: Das ist nicht machbar. Wer die Ziele mit her­geleitet hat, hält ihr Ergebnis seltener für falsch. Und der partizipative Prozess an sich ist schon Beleg dafür, dass hier etwas Gemeinsames entsteht.

Grübelnde Grüße
Paul und das Team von Neue Narrative

💌 Über diesen Link kannst du den Newsletter abonnieren, um ihn direkt in deine Inbox zu erhalten: https://www.neuenarrative.de/case-clinic

Digitale Ausgabe der Neue Narrative

Sichere dir eine Gratis-Ausgabe!

Lust, mal in unserem Magazin zu blättern? In der Ausgabe, die wir dir als PDF zuschicken, geht es um das Thema Karriere. Wir denken Karriere noch immer in Auf- und Abstiegen, dabei wird das den Menschen und Organisationen heute längst nicht mehr gerecht. Zeit, Karriere neu zu definieren.

Unsere neue Ausgabe ist da!

Auch Erwachsene dürfen spielen – sogar im Job. In #27 erfährst du, wie du mit spielerischen Mitteln leichter, kreativer und mutiger arbeitest.