Wenn Menschen eine Strategie einfach vorgesetzt bekommen, gibt es drei Reaktionen: 1. Das ist nicht machbar. 2. Die Ziele sind falsch. 3. Beides trifft zu. Ich glaube, Strategien scheitern nicht nur daran, dass niemand die Personen fragt, die sie umsetzen sollen. Sie scheitern auch, weil der Glaube daran fehlt: das Gefühl, hier gemeinsam an einem Strang zu ziehen.
- Organisation: Seibert Media
- Mitarbeiter*innenanzahl: 330 (2023)
- Rechtsform: GmbH
- Hack: Partizipative SWOT-Analyse
Das Problem
In der vorletzten und letzten Ausgabe habe ich erzählt, wie Seibert Media einen Strategiekreis gewählt und ein Zielsystem aus Hypothesen entwickelt hat. Eine Frage habe ich dabei offengelassen: Woher kommen diese Hypothesen eigentlich? Hätte der frisch gewählte Kreis sie sich allein ausgedacht, wäre das alte Problem durch die Hintertür zurückgekehrt: eine Handvoll Leute entscheidet, alle anderen sollen umsetzen. Der Kreis brauchte also eine Methode, mit der möglichst viele Menschen mitwirken können.
Die Lösung
Der Strategiekreis griff zur SWOT-Analyse, die Stärken (Strengths), Schwächen (Weaknesses), Chancen (Opportunities) und Risiken (Threats) erfasst. Die Stärken und Schwächen ermittelte der Kreis in Workshops mit Vertreter*innen der Teams. Die Chancen und Risiken wiederum erarbeiteten die Teams der Geschäftsbereiche autonom, schließlich sind es die Menschen, die dem Markt am nächsten sind. Der Strategiekreis clusterte die Ergebnisse, jedes Mitglied vergab pro Quadrant sechs Punkte für die wichtigsten Cluster, und die Gewichtungen wanderten in eine Matrix. Vier Fragen helfen, sie auszufüllen:
- Welche Stärken helfen uns, Chancen zu nutzen?
- Mit welchen Chancen überwinden wir Schwächen?
- Welche Stärken helfen uns, Gefahren zu vermeiden?
- Welche Schwächen müssen wir minimieren, um Gefahren zu vermeiden?
Jede Antwort auf diese Fragen ist im Kern schon eine Annahme. Ein Beispiel: Aus der Stärke „attraktive Büroflächen“ und dem Trend zu Hybrid Work entsteht die Hypothese, dass das Büro künftig flexible Nutzungsmöglichkeiten bieten muss. Daraus wurde ein Epic mit überprüfbaren Erfolgskriterien.
Die Stolperfalle
Eine SWOT-Analyse ist nur so ehrlich wie ihre Teilnehmer*innen. Gerade bei den Schwächen braucht es ein Klima, in dem Menschen unangenehme Wahrheiten aussprechen können, ohne dass sich einzelne Teams an den Pranger gestellt fühlen.
Wer die Machbarkeit selbst eingeschätzt hat, sagt seltener: Das ist nicht machbar. Wer die Ziele mit hergeleitet hat, hält ihr Ergebnis seltener für falsch. Und der partizipative Prozess an sich ist schon Beleg dafür, dass hier etwas Gemeinsames entsteht.
Grübelnde Grüße
Paul und das Team von Neue Narrative
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