Meinung

Warum wir als Wirtschaftsmagazin gendergerechte Sprache verwenden

Häufig kriegen wir Mails von Männern, die sich darüber aufregen, dass wir unsere Texte gendern. Wir machen es trotzdem. Denn Transformation hat auch mit Sprache zu tun.

Text: Redaktion

Ein sogenannter Genderstern

Wir lieben ja Feedback. Neulich bekamen wir allerdings eines, das uns erst ein bisschen wütend gemacht hat und dann nachdenklich. Wir empfingen eine E-Mail, in der uns der Verfasser in einer ruppigen und viel zu langen Abhandlung erklärte, warum das *, das sogenannte Gendersternchen, hässlich aussehe, den Lesefluss störe und generell ganz furchtbar sei. Deshalb möchten wir hier kurz erklären, warum wir schreiben, wie wir schreiben. Und dem Verfasser fast dafür danken, uns daran erinnert zu haben, dass nicht alles selbstverständlich ist, was wir für selbstverständlich halten.

„Solange nicht alle Geschlechter jederzeit und in jedem Satz sichtbar werden, werden wir auch weiterhin an einen Mann denken, wenn irgendwo ein Manager einen Rekordumsatz erwirtschaftet hat.“

Wenn wir von Vorstandsbossen, Managern, Visionären und Beratern schreiben, schreiben wir nur von Vorstandsbossen, Managern, Visionären und Beratern, heißt: von Männern. Tatsache ist aber, dass es dort draußen auch ganz viele Vorstandsbossinnen (ja, das steht so im Duden), Managerinnen, Visionärinnen und Beraterinnen gibt. Und auch Vorstandsboss*innen, Manager*innen, Visionär*innen und Berater*innen, also Personen, die sich weder als Mann noch als Frau verstehen. „Die sind doch selbstverständlich mitgemeint“, sagen viele, die das * zu sperrig finden.

Uns reicht das nicht. Unsere Sprache spiegelt gesellschaftliche Strukturen wider und prägt sie mit. Solange nicht alle Geschlechter jederzeit und in jedem Satz sichtbar werden, werden wir auch weiterhin an einen Mann denken, wenn irgendwo ein Manager einen Rekordumsatz erwirtschaftet hat. Und, jetzt lehnen wir uns aus dem Fenster, so lange werden es auch überwiegend Männer sein, die in Positionen aufsteigen, in denen sie Rekordumsätze erwirtschaften. Schließlich festigt Sprache unser Denken.

Wenn es um die Zukunft der Arbeit geht, heißt es oft, wir müssten aus unserer Komfortzone heraustreten und mit vorhandenen Strukturen brechen. Also sollten wir das auch in unserer Sprache tun. Das ist nicht zu viel verlangt, denn es geht doch lediglich darum: Wir machen ein Wirtschaftsmagazin, das auch für Männer ist, aber eben nicht nur für Männer. So banal das klingt, es ist nicht selbstverständlich. Das wird uns immer klarer, je mehr Männer sich bei uns beschweren, weil wir mit dem Sternchen darauf hinweisen, dass sie nicht alleine sind in der (Wirtschafts-)Welt. Wie krass wäre es, wenn wir alle in unserer Sprache Verantwortung übernehmen und dafür sorgen würden, dass all die Menschen darin sichtbar werden, die tatsächlich auf dieser Welt leben?

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