Typen

Sieben Ego-Typen, die in jeder Organisation zu finden sind

Wer hat das größte Ego? Wir haben sieben Egotypen identifiziert, die in jedem Unternehmen zu finden sind (Natürlich sind Kategorisierungen immer vereinfachend. Nehmt sie nicht zu ernst!)

Bild: Dominik Wagner

Der*die Subtile

Der*die Subtile

Der*die Subtile nimmt sich stets ganz betont zurück. Bei einem Meeting lehnt er*sie sich in seinem*ihrem Ledersessel zurück (der*die Subtile ist vor allem da anzutreffen, wo Meetings in Ledersesseln abgehalten werden) und schweigt erst mal. Wird er*sie nach der Meinung gefragt, betont er*sie in einem längeren Monolog, dass die eigene Meinung ja gar nicht so wichtig sei, aber ... Gütigerweise führt der*die Subtile die eigenen Ansichten zu dem Thema dann doch noch aus, und zwar in größter Ausführlichkeit.

Dabei redet er*sie so leise, dass alle Personen drumrum ganz andächtig lauschen und nah rankommen müssen, um überhaupt etwas verstehen zu können. Dadurch bekommt die Person genau das, was sie will: sehr viel Raum für das eigene Ego, ohne auf den Tisch hauen oder auf andere klassische Machtgesten zurückgreifen zu müssen.

Der*die Selbstpromoter*in

Der*die Selbstpromoter*in

Der*die Selbstpromoter*in hat kein Problem damit, zum eigenen Ego zu stehen. Warum auch? Sehen doch alle, dass er*sie richtig geile Arbeit macht. So findet der*die Selbstpromoter*in es normal, die Ergebnisse einer Gruppenarbeit zu präsentieren, selbst wenn er*sie vielleicht nicht so viel Zeit investiert hat. Aber hey, fürs Performen wurde der*die Selbstpromoter*in ja auch eingestellt. Mangelndes Wissen kann auch mal durch eine Lichtshow und viel Feuerwerk wettgemacht werden. Die Kundschaft will doch genau das: Entertainment! Für nachdenkliche Zwischentöne bleibt keine Zeit.

Der*die Chef*in findet das super, denn der*die Selbstpromoter*in kann exzellent verkaufen. Wenn er*sie nicht gerade in der Werbung arbeitet, könnte man ihn*sie sich auch bei Teleshopping-Sendungen vorstellen, wo er*sie die Vorzüge dieses großartigen Anti-Cellulite-Tools für schlappe 299,98 € preist. Gelernt hat er*sie das schon in der Schulzeit. Während die anderen brav die Referate vorbereitet haben, hat der*die Selbstpromoter*in relaxt und sich fünf Minuten vorher das Thema bei Wikipedia angelesen und dann vor der Klasse wegperformt. Motto: Wer viel Ego zeigt, gewinnt.

Der*die Einzelgänger*in

Der*die Einzelgänger*in

Der*die Einzelgänger*in rennt am liebsten einfach los und hört damit nicht mehr auf. Wer versucht, diese Person in eine größere Projektstruktur einzubetten und ihm*ihr Tasks zuzuweisen, von denen wiederum andere abhängig sind, wird nach kurzer Zeit verzweifelt aufgeben. Denn der*die Einzelgänger*in lässt sich nicht managen. Er*sie besteht auf seine*ihre Unabhängigkeit.

Das ist so lange effektiv, wie die Komplexität der Projekte überschaubar ist. Denn da kann ein*e Einzelgänger*in in Ende-zu-Ende-Verantwortung schnell beeindruckende Ergebnisse erzielen. Sobald die Aufgaben eines Projekts aber mehr werden und die Abhängigkeiten zu anderen Teammitgliedern steigen, funktioniert der Modus immer schlechter. Während sich die anderen Personen im Projekt regelmäßig synchronisieren, um den Fokus nicht zu verlieren, kann es schon mal vorkommen, dass der*die Einzelgänger*in auch mal ein paar Wochen in die falsche Richtung läuft – ohne dass es jemand mitbekommt.

Der*die Selbstbezogene

Der*die Selbstbezogene

„Mir geht es heute nicht so gut.“ „Ah ja, das kenn ich, mir geht es auch nicht so gut.“

Der*die Selbstbezogene redet sehr gerne über sich selbst. Wenn ein*e Kolleg*in davon erzählt, wie schwierig es ist, Familie und Job miteinander zu vereinbaren, hört er*sie kurz zu, um dann auszuführen, dass er*sie es mit seiner*ihrer Katze oder dem neuen Kaktus auch nicht leicht habe. Durchschnittlich braucht der*die Selbstbezogene drei bis vier Sätze, um ein Gespräch vollständig auf sich zu lenken.

Beim ersten Gespräch entsteht oft noch der Anschein, dass der*die Selbstbezogene empathisch ist, schnell eine Vertrauensebene aufbaut und sich gut öffnen kann. Erst später wird klar, dass er*sie zu einem konstruktiven Austausch nichts beiträgt, weil er*sie so sehr damit beschäftigt ist, über sich selbst zu reden.

Der*die Selbstlose

Der*die Selbstlose

Die Selbstlosen werden die Letzten sein – die aufpassen, dass es nicht zu viel wird. Egal, ob es nun um Überstunden oder die Organisation des Sommerfests geht: Sie erledigen alles, ohne die Miene zu verziehen. Manchmal merken die Kolleg*innen gar nicht, dass sie es mit Selbstlosen zu tun haben, weil sie schon lange in den Feierabend gegangen sind, während der*die Selbstlose noch die Spesenabrechnung der Kollegin macht, die es vergessen hat. Würden die Selbstlosen mal einen Tag streiken, stünde das Land still. Sie halten viele Läden am Laufen. Und das ist nicht gut. Arbeitgeber*innen sollten merken, wenn es zu viel Arbeit für zu wenige Menschen gibt. Die Selbstlosen verschleiern diesen Umstand unter ihrer Selbstlosigkeit. Manchmal geht das nur für ein paar Jahre gut, dann droht der Nervenzusammenbruch und das Kartenhaus der Selbstlosen fällt in sich zusammen. Auf die Selbstlosen unter den Kolleg*innen muss man aufpassen und sie manchmal beherzt in den Feierabend zwingen. Vor allem wenn andere anfangen, die Selbstlosen auszunutzen.

Der*die Selbstverliebte

Der*die Selbstverliebte

Der*die Selbstverliebte ist der Narzisst im Betrieb. Er*sie macht sich sicher nicht die Hände schmutzig für Aufgaben, die seiner*ihrer nicht angemessen sind. Wenn er*sie sich schon ins Zeug legen soll, dann bitte nur für Veranstaltungen mit Scheinwerferlicht. Und wenn es gerade mal kein Publikum gibt, redet der*die Selbstverliebte auf dem Klo mit seinem*ihrem Spiegelbild. In Meetings vergisst er*sie, dass das jetzt keine Preisverleihung ist, und gerät ins Schwafeln. Da muss man sie*ihn schnellstmöglich unterbrechen, bevor er*sie sich warm spielt. Kann aber auch angenehm sein, wie bei einem Hörspiel mit leicht säuselnder Stimme. Am besten wäre deswegen ein Podcast, wo er*sie sich ohne Zeitbegrenzung aussprechen kann – idealerweise mit einem*einer anderen Selbstverliebten zusammen, damit auch beide zu Wort kommen.

Das gekränkte Ego

Das gekränkte Ego

Dem gekränkten Ego wurde ein Leben lang eingeredet, über alle Zweifel erhaben zu sein. Er*sie ist in allem stets der*die Allerbeste gewesen und hat nie gelernt, Widersprüche zu ertragen. Seine*ihre Privilegien hält er*sie für eine Selbstverständlichkeit. Wenn jemand weniger erfolgreich ist, kann er*sie die Person nicht ernst nehmen – schließlich kann es ja jede*r schaffen.

Das Problem: Immer wenn sich in der Umgebung vom gekränkten Ego irgendetwas verändert, nimmt er*sie das persönlich. Frauen dürfen plötzlich Führungspositionen besetzen? Junge Leute, die gerade erst in den Beruf starten, wissen besser, wie das Internet funktioniert? Wutanfälle sind plötzlich nicht mehr Zeichen guter Führung? Auf gesellschaftliche Veränderungen reagiert das gekränkte Ego superdestruktiv und mit Hass auf die Welt. Schließlich könnten sie für ihn*sie einen Machtverlust bedeuten.

Reflexionsübung

Die menschliche Persönlichkeit ist viel zu komplex, um sie durch ein paar kurze Charakteristiken abzubilden. Wahrscheinlich trägst du Anteile von fast allen der skizzierten Typen in dir. Frag dich, von welchen Typen du dir in bestimmten Situationen gerne etwas abschauen würdest und welche du dir auf gar keinen Fall zum Vorbild nehmen möchtest – und was du dafür tun kannst, dass das gelingt.

Bild: Dominik Wagner

Kinski meets McKinsey

Menschen, die sich über ihre Steuern beschweren (und Firmen, die sich vor ihnen drücken)

Steuern sind ein wichtiges Instrument dafür, dass unsere Gesellschaft funktionieren kann. Trotzdem gibt es Menschen, die sich über sie beschweren und vieles tun, um sie zu vermeiden. Auch Firmen versuchen, sich vor ihnen zu drücken, teilweise sehr erfolgreich. Damit stellen sie ihr Eigeninteresse über die Gesellschaft und richten großen Schaden an.