Führung

Search Inside Yourself: Was wir aus dem Leadership-Programm mitgenommen haben

Chade-Meng Tan hat bei Google ein Programm namens Search Inside Yourself entwickelt, das Menschen achtsamer, effektiver und glücklicher machen soll. Ein Selbstversuch.

Text: Sebastian Klein
Illustrationen: Jan Pfeifer

Eine Person mit Wolken um den Kopf

Search Inside Yourself fußt auf der Beobachtung, dass wir modernen Menschen meistens nicht im Hier und Jetzt sind, sondern in Gedanken woanders: in der Vergangenheit, über die wir nachgrübeln. Oder in der Zukunft, über die wir uns sorgen oder die wir herbeisehnen. Während wir gedanklich woanders sind, gehen wir im Autopiloten durchs Leben. Was bedeutet, dass wir oft gar nicht mitbekommen, wie es uns selbst und den Menschen um uns herum gerade geht.

Search Inside Yourself zielt darauf ab, uns aus den Gedanken ins Hier und Jetzt, in die Präsenz und Zugewandtheit anderen gegenüber zu holen – um uns damit zur besseren Führungskraft und ganz allgemein glücklicher und erfolgreicher zu machen.

„Das ist eins der Geheimnisse des Programms: Wenn man diese Dinge nur oft genug trainiert, ändert man damit die eigene „Software“, das Denken und Handeln“

Doch wie sieht das im Detail aus? Wie kann Search Inside Yourself uns zu besseren Menschen machen? Ein Schwerpunkt des Programms liegt auf der Stärkung emotionaler Kompetenz: Wenn wir deutlicher mitbekommen, wie es uns selbst geht, werden wir auch besser darin, andere zu verstehen. Dann sind wir nicht nur kognitiv präsent, sondern verstehen auch auf emotionaler Ebene, was gerade passiert. Der Schluss scheint naheliegend, dass uns das im Umgang mit anderen Menschen oder gar in einer komplexen sozialen Situation wie einem Team-Meeting eine höhere Kompetenz verleiht.

Ein zentrales Ziel dabei ist es, ein kleines bisschen Abstand zwischen sich und die Dinge zu bringen, also nicht mehr nur zu denken und zu fühlen, sondern sich selbst (und damit auch andere) beim Denken und Fühlen zu beobachten. Dabei sollen viele kleine Achtsamkeitsübungen helfen, einfache Atemübungen, ein Body-Scan, Empathie-Übungen. Die meisten dieser Übungen sind so einfach, dass man sie gar nicht nicht machen kann: drei tiefe Atemzüge nehmen zum Beispiel; oder drei Minuten kommentarlos einem anderen zuhören, ein paar Minuten Tagebuchschreiben. Das ist eins der Geheimnisse des Programms: Wenn man diese Dinge nur oft genug trainiert, ändert man damit die eigene „Software“, das Denken und Handeln (ohne die Anstrengung, die jeder kennt, der schon mal ein Zen-Meditations-Seminar besucht hat).

Search Inside Yourself zielt darauf ab, aus einer Haltung der ständigen Bewertung in die Haltung einer „gütigen Großmutter“ zu wechseln, die dem Enkelkind neugierig und freundlich zuhört und alles so hinnimmt, wie es eben kommt. Diese Großmutter beginnt nicht sofort, Probleme zu lösen, wenn ihr jemand sein Herz ausschüttet. Sie ist einfach nur da und hört gütig und geduldig zu.

Das Programm im Detail zu beschreiben, würde ein ganzes Buch füllen. Daher beschränken wir uns darauf, ein paar Lektionen für besseres Leadership mit euch zu teilen, die wir aus dem Programm mitgenommen haben.

1. Achtsam zuhören

Viele Probleme lösen sich am einfachsten, wenn man einfach nur zuhört, seine volle Aufmerksamkeit anbietet und nichts sagt. Das nächste Mal, wenn ein*e Mitarbeiter*in dich mit einem Problem konfrontiert, zwinge dich, keine eigenen Lösungen anzubieten, sondern einfach nur präsent zu sein, bedingungslos und achtsam zuzuhören.

2. Intentionen klären

Bevor du ein Meeting oder eine Unterhaltung beginnst, kläre zunächst die Intentionen aller Anwesenden. Mit welcher Intention bist du hier? Was möchtest du mit dem Gespräch erreichen? Welche Intentionen haben die anderen? Ist das Gespräch in dieser Form für alle sinnvoll?

3. Innehalten

Wenn du merkst, dass etwas eine Emotion in dir auslöst, halte deine Reaktion zurück, bis du die Emotion verstanden und vorüber ziehen hast lassen. Das kann auch mal länger dauern, vielleicht sogar mehrere Tage. Versuche trotzdem, erst dann zu reagieren, wenn du die Emotion verstanden hast und sie nicht mehr spürst. (Das gilt besonders für E-Mails.)

4. Nimm im Zweifelsfall erst mal drei tiefe Atemzüge.

5. Ein positives Tagebuch

Frage dich zu Beginn eines Tages „Was müsste passieren, damit dieser Tag ein guter Tag wird?“ Schreibe einfach nur jeden Morgen ein paar Minuten lang auf, was dir dazu einfällt. Du wirst sehen, dass das einen Unterschied macht.

6. „Minute to arrive“

Wenn du gestresst oder gehetzt bei einem Meeting (oder zu Hause bei deinem*r Partner*in) eintriffst, bitte um eine Minute der Stille, um kurz ankommen zu können. Diese Minute wird reichen, um den Stress hinter dir zu lassen und völlig präsent zu werden.

7. Du bist nicht deine Gedanken, und du bist nicht deine Gefühle.

Versuche, beides mit einer gesunden Distanz wahrzunehmen und dir klar zu machen, dass du – genau wie andere Menschen – manchmal komische Dinge denkst und fühlst.

8. Compassion

Wenn ein Mensch negative Emotionen bei dir auslöst, denke daran, er oder sie ist auch nur ein Mensch, der glücklich sein will – genau wie du. Es kann helfen, dir selbst zu sagen: „Ich wünsche, dass diese Person glücklich und frei von Leid ist.“

9. Der Blick von außen auf dich selbst

Betrachte dich mit den Augen einer guten Freundin oder eines Mentors, der*die die besten Absichten hat und über dich und dein Leben nachdenkt oder sogar schreibt.

10. Nimm all das mit Humor.

Und zwar immer!

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