Kinski meets McKinsey

Warum Konzern-Psychopathen unser Klima zerstören

In den Vorstandsetagen vieler Konzerne sitzen Psychopath*innen, die nur an ihren eigenen Nutzen denken und durch ihr Wirtschaften unseren Planeten zerstören. Ein Wutausbruch

Text: Sebastian Klein
Illustration: Dominik Wagner

Bild: Dominik Wagner

Die Klimakrise: Sie bringt Menschen zusammen, schafft neue Held*innen, neue Ziele und auch neue Feindbilder: Wer sich wie Donald Trump oder Alexander Gauland offen gegen Greta Thunberg und die Bewegung um sie stellt, der bekennt damit Flagge. Wir wissen, dass diese Menschen sich aktiv dafür einsetzen, die Zukunft unseres Planeten zu zerstören. Dass es solche Menschen gibt, kann schon wütend machen.

Mich machen jedoch andere noch viel wütender: Und zwar die, die keine Flagge bekennen. Die entweder gar nichts sagen oder sich gar als Klimaretter inszenieren. Während sie in Wahrheit aber die gleiche Agenda verfolgen wie die Trumps und Gaulands. Allen voran sind das große Konzerne. Die reden nämlich munter vom Klimaschutz und werden nicht müde zu unterstreichen, wie sie mit ihren Produkten auf eine lebenswerte Zukunft hinwirken. Mit der Realität hat das jedoch nicht viel zu tun: „Wie eine Auswertung des Handelsblatts auf Basis der Veröffentlichungen in den Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichten der Firmen zeigt, haben 10 der 30 größten deutschen Börsenkonzerne ihre CO2-Emissionen im vergangenen Jahr nicht gesenkt, sondern gesteigert“.

Wie es scheint, sind unsere Konzerne zu seelenlosen Kolossen geworden, in denen nichts als das Geld regiert.

Die größten deutschen Konzerne verfehlen alle Ziele, ihre Emissionen in den Griff zu kriegen. Sie steuern uns stramm auf fünf Grad Klimaerwärmung zu. Wissenschaftler*innen sind sich einig, dass eine Erwärmung von diesem Ausmaß zu katastrophalen globalen Folgen führen wird, möglicherweise sogar zu einem Ende des Lebens auf dem Planeten. Nun liegt es nahe, sich zu fragen: Wozu plant Volkswagen, weiter Autos zu produzieren, für einen Planeten, auf dem es gar keine Menschen mehr gibt? Und was bringt es, wenn ich als Privatmensch auf Flugreisen verzichte, wenn diese Firmen munter so weitermachen wie gehabt? Inklusive der Heerscharen an Berater*innen, die um den Globus fliegen, um Excel-Tabellen von A nach B zu transportieren?

Warum ist das so?

Wie es scheint, sind unsere Konzerne zu seelenlosen Kolossen geworden, in denen nichts als das Geld regiert. Das gilt vor allem für die, die als Aktiengesellschaften geführt werden und denen 40 Jahre lang von McKinsey und Co. alle Menschlichkeit ausgetrieben wurde. Sie dienen nur der Mehrung des Kapitals und werden überwiegend von Manager*innen geführt, denen die Zukunft unseres Planeten mehr als nur egal ist. Die gelernt haben, dass man über Nachhaltigkeit zwar viel sprechen, diesen Worten dann aber keine Taten folgen lassen sollte, die Einfluss auf das eigene Wirtschaften haben.

Doch wie kann das sein? Sollte nicht allen Menschen an der Zukunft unseres Planeten gelegen sein? Das sollte man meinen. Doch in Vorstandsetagen und Businessclass-Flügen sitzen viele Vertreterinnen einer ganz besonderen Spezies: Seit ein paar Jahren wird für sie immer häufiger der Begriff der corporate psychopaths genutzt, also der Konzern-Psychopath*innen.

Als Psychopath*innen werden üblicherweise Menschen bezeichnet, die keine Empathie für andere empfinden und andere Menschen ausschließlich als Mittel betrachten, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Sie manipulieren, denken nur an den eigenen Nutzen und leben tendenziell im Hier und Jetzt, machen sich also über künftige Konsequenzen (wie den Klimawandel) wenig Gedanken. Ach ja, und ein Gefühl von Schuld kennen Psychopathen üblicherweise nicht, schuld sind grundsätzlich immer die anderen.

Interessant ist nun, dass in der generellen Population, ganz grob geschätzt, ein Prozent der Menschen in die Psychopathen-Definition fällt. Unter CEOs (und natürlich auch ihren Berater*innen) liegt der Anteil jedoch deutlich höher, je nach Quelle bei bis zu 20 Prozent. Zu dem Phänomen wurden in den letzten Jahren viele Studien und Bücher veröffentlicht, unter anderem ausgelöst durch die Bankenkrise 2008/2009. Damals hatten viele Menschen (nicht ganz zu Unrecht) das Gefühl, die globale Krise sei verursacht worden von einer Kaste psychopathischer, anzugtragender Ehrgeizlinge, denen man gestattet hatte, die ganze Welt zu einem Kasino zu machen. Leider sind diese Menschen aber weder verschwunden noch sind sie im Gefängnis gelandet oder haben sich im Nachgang der Bankenkrise eines Besseren besonnen. Sie sind nach wie vor überall, und besonders da, wo das Geld und die Macht sind.

Konzern-Psychopath*innen zerstören unseren Planeten

Das Geld und die Psychopathen

Was würde jemand machen, der die Geschicke eines großen Konzerns leitet und kein Psychopath ist? Er oder sie würde die Klimakatastrophe ernst nehmen und den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens mit dieser großen Herausforderung abwägen. Entscheidungen treffen, die vielleicht kurzfristig Geld kosten, die jedoch ein langfristiges Fortbestehen des Unternehmens überhaupt erst möglich machen.

Wäre es nicht toll, wenn wir mit unserem Geld und unserer Arbeitskraft nur noch Firmen unterstützen, die verantwortungsvoll handeln?

Was würde ein Psychopath tun, der nur vom Geld und den eigenen, kurzfristigen Interessen gesteuert wird? Dem der langfristige Fortbestand des Unternehmens egal ist und der des Planeten ebenso? Ganz richtig: Er oder sie würde behaupten, sich für das Klima einsetzen zu wollen (soziale Erwünschtheit, Marketing), dann aber das genaue Gegenteil davon tun und den maximalen Rahmen dessen ausloten, was möglich ist, ohne im Gefängnis zu landen. (Dass das manchmal schiefgeht, sehen wir z.B. an Rupert Stadler.)

Was mich daran wütend macht

Wir reden zu Recht viel vom ökologischen Fußabdruck der Durchschnittsbürger*innen, der sich reduzieren müsse, um den Klimakurs in halbwegs erträgliche Bahnen zu lenken. Das ist völlig richtig: Jede*r von uns sollte sich zweimal fragen, ob das sein muss, ehe er oder sie ein Flugzeug besteigt. Keiner von uns sollte mit einem SUV durch die Gegend fahren. Wir brauchen keine Autos in Städten, und das argentinische Rindersteak zum Abendessen sollte gesellschaftlich ebenso verpönt sein wie bei skrupellosen Konzernen wie kik oder Zalando einzukaufen. Jeder von uns sollte sich zuallererst an die eigene Nase fassen, den Konsum einschränken, auf Weihnachtsgeschenke verzichten, mehr raus in den Wald gehen, statt nach Malle zu fliegen.

Doch der Blick auf die Zahlen zeigt, dass das nicht reicht. Wir müssen auch unsere Wirtschaft umkrempeln, und unsere Regierung wird das – Stand heute – nicht für uns tun. Und die, die die Geschicke unserer Konzerne lenken, erst recht nicht, siehe oben. Es hilft also alles nichts, wir müssen mal wieder selber ran. Drei Gedanken, um damit anzufangen:

1. Macht euch bewusst, wen ihr mit eurem Konsum unterstützt.

Wäre es nicht toll, wenn wir mit unserem Geld und unserer Arbeitskraft nur noch Firmen unterstützen, die verantwortungsvoll handeln? Ich befürchte, keine*r von uns kann das behaupten, denn der Fokus aufs Geldverdienen hat sich so tief in unsere Wirtschaftswelt eingebrannt, dass es gar nicht so viele Firmen gibt, die wirklich und im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig handeln. Das würde nämlich bedeuten, im Sinne einer Kreislaufwirtschaft sicherzustellen, unter dem Strich nicht mehr Ressourcen zu verbrauchen, als am Ende wieder zur Verfügung gestellt werden.

Ein Anfang wäre es allerdings, die ganz großen Klimasünder aus eurem Leben zu schmeißen. Einfache Daumenregel: Je größer das Unternehmen, desto schlimmer wahrscheinlich. Ein zusammengekauftes Konzern-Konglomerat hat mit Nachhaltigkeit nichts am Hut. Denn es wird nicht von Menschen geführt, sondern nur vom Kapital und seinen Jüngern, den Konzern-Psychopath*innen. Anders ist es meistens bei familiengeführten Unternehmen oder solchen, die den Mitarbeiter*innen gehören.

2. Macht euch bewusst, wen ihr mit eurem Geld unterstützt.

Ein beträchtlicher Anteil unseres Geldes unterstützt direkt oder indirekt den Bestand eines Systems, das uns alle umbringen wird. Liegt dein Geld bei der Deutschen Bank? Schnell wechseln zu einem Geldinstitut, das nicht in Kohle und Öl investiert. Hast du Aktien von großen Unternehmen? Schnell verkaufen und zum Beispiel über die Umweltfinanz eine bessere Anlage finden. Auch wenn es verlockend sein mag, mit Aktien schnelles Geld zu verdienen, macht euch immer bewusst, welches Unternehmen und welche Machenschaften ihr dabei mit eurem Geld unterstützt.

3. Macht euch bewusst, wen ihr mit eurer Arbeitskraft unterstützt.

Wenn du selbst den Verdacht hegst, dass das Unternehmen, für das du arbeitest, von Psychopath*innen geführt werden könnte, dann denk doch mal über einen neuen Job nach. Wenn dein Unternehmen zu denen gehört, die es nicht schaffen, die Klimakrise zu bekämpfen oder zumindest ernst zu nehmen, dann überleg dir bitte genau, weshalb du weiterhin für dieses Unternehmen arbeiten möchtest. Als Daumenregel darf durchaus gelten: Die Unternehmen, die am meisten bezahlen können, sind auch die, die den größten Schaden anrichten. Wer z.B. wie McKinsey und Co. unglaubliche Mengen an Ressourcen verbraucht und dem Planeten nichts, aber auch gar nichts zurückgibt, der kann es sich natürlich leisten, fürstliche Gehälter zu bezahlen. In abgeschwächter Form gilt das auch für die großen Konzerne, um die es oben ging. Es ist sicher nicht einfach, eine Gehaltseinbuße hinzunehmen; besonders wenn man eine Familie zu ernähren hat. Aber du solltest dich fragen, ob das Geld, das auf deinem Konto ankommt, nicht mit der Zukunft unseres Planeten bezahlt wird.

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