Transformation

Das integrale Modell: eine Matrix, um Transformation ganzheitlich zu verstehen

Die vier Quadranten vom integralen Modell zeigen, auf welchen Ebenen Veränderung in einer Organisation stattfindet.

Das integrale Modell bietet eine sehr gute Übersicht über die Bereiche, die wir in einer Organisation (oder allgemein in einem System) beachten sollten, wenn es um Transformation, Veränderung und Führung geht. Darin werden vier Dimensionen dargestellt, in denen wir uns in jeder sozialen Situation (Wirklichkeit) gleichzeitig befinden: Die Ich-Perspektive beschreibt die jeweils individuellen Aspekte, mit der Wir-Perspektive sind die kollektiven beziehungsweise organisationalen Aspekte gemeint. Die Außen-Seite beschreibt das Sichtbare und Messbare, die Innen-Seite das nicht Sichtbare und nicht Spürbare.

Die sich daraus ergebenden vier Quadranten zeigen, auf welchen Ebenen Transformation stattfindet. Möchte man Organisationen nachhaltig entwickeln, empfiehlt es sich, alle vier Quadranten gleichzeitig im Blick zu behalten und eine synchrone Entwicklung auf Personen- und Systemebene sowohl außen (Strukturen, Prozesse, Verhalten) als auch innen (Kultur, Mindset) anzustreben. Sich das Wirkungsgefüge dieser Ebenen bewusst zu machen und bei der Führung eines Unternehmens oder Teams zu berücksichtigen, ist die Herausforderung, gleichzeitig aber auch die Kunst von gelingender Transformation.

Kunst auch deshalb, weil sich die Entwicklungsgeschwindigkeiten zwischen den Quadranten deutlich unterscheiden können. Häufig ist eine Veränderung auf der Außenseite schneller zu erreichen als die damit verbundene notwendige Entwicklung auf der Innenseite. So lässt sich zum Beispiel relativ schnell das Organigramm eines Unternehmens überarbeiten oder eine neue Methode einführen. Ob sich die inneren Infrastrukturen von Menschen und Teams in der gleichen Geschwindigkeit mitentwickeln, ist damit aber längst noch nicht gesagt. Viele Methoden oder Frameworks versprechen, dass sich Kultur und Mindset schon ändern werden, wenn man sich stringent genug an die Regeln hält. Und zum Teil stimmt das auch. Wenn wir in einem Meeting strikt die Regel verfolgen, nicht Probleme zu besprechen, sondern einen Vorschlag zur Lösung zu machen, dann werden sich die Teilnehmer*innen daran gewöhnen und bemerken, dass es Sinn ergibt, lösungsorientiert vorzugehen.

Häufig ist eine Veränderung auf der Außenseite schneller zu erreichen als die damit verbundene notwendige Entwicklung auf der Innenseite

Dennoch brauchen Mindset- und Kulturentwicklung einen eigenen Raum. Denn einen neuen Prozess zu erlernen und zu verstehen oder unsere inneren Infrastrukturen und Glaubenssätze zu verändern, benötigt einen jeweils unterschiedlichen Modus der Bearbeitung.

Quelle: Wilber, K. (2018). The Integral Vision: A Very Short Introduction. Shambhala Pocket Library.

Interview mit Christine Wank

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